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Maria B. (li.) hat nach über 23 Jahren die Kündigung ihres Mietvertrages erhalten. Sie soll mit ihrem Lebensgefährten Reiner L. (re.) bis zum 28. Februar ihre jetzige Wohnung verlassen (Foto: Matthias Brüning)
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Twist. Für Maria B. (72) aus Twist fängt das Jahr 2019 nicht gut an. Seit 1995 wohnt sie nun in der Georg-Klasmann-Straße 33 (vormals Ansgarstr. 19). Doch laut Willen der Gemeinde Twist, der die Wohnung gehört, soll damit bald Schluss sein. Die Gemeinde kündigte nach fast 24 Jahren ihren Mietvertrag wegen „Eigenbedarfs“ zum 28.02.2019. Die gesetzliche Kündigungsfrist wurde seitens der Gemeinde eingehalten. Seit Dezember sind Rechtsanwälte in der Angelegenheit eingeschaltet.

Laut einem Schreiben welches unserer Redaktion vorliegt und von Bürgermeister Ernst Schmitz am 31.5.2018 unterzeichnet wurde, begründet die Gemeinde Twist die Kündigung des Mietvertrages in einem ersten Schreiben wie folgt:
„Sehr geehrte Frau B.,…Die Gemeinde Twist ist bemüht, allen Generationen der Einwohnerinnen und Einwohner geeignete Freizeiteinrichtungen anzubieten. Bislang stehen Jugendlichen keine kommunalen Räumlichkeiten zur Verfügung, in denen sie sich altergerecht und nach eigenen Vorstellungen aufhalten und einbringen können. Der Wunsch nach solchen Räumlichkeiten ist im Rahmen eines Kinder- und Jugendbeteiligungsprojektes sehr stark geäußert worden. Aufgrund der Lage der derzeit angemieteten Wohnung neben Grundschule, Kunstschule und weiterer öffentlichwer Einrichtungen abseits einer unmittelbar angrenzenden Wohnbebauung ist diese optimal geeignet, einen Raum inklusive sanitärer Einrichtungen für diesen auch für die Gemeinde wichtigen Zweck herzurichten. Ein weiterer Teil der jetzigen Wohnung soll für eine Lebensmittelausgabe an bedürftige Personen (Tafel Twist) angeboten werden….auch für dieses Projekt ist die Zentrale Lage ein wichtiger Faktor. Nicht zuletzt soll auch die Bücherei in einem Teil der bisherigen Wohnung integriert werden,“ ist dem Schreiben zu entnehmen.

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Maria B. wird aufgefordert, die Mieträume nach Ablauf der Kündigung geräumt und in vertraglich vereinbartem Zustand mit allen dazugehörigen Schlüsseln abzugeben. „Das öffentliche Gemeinwohl erfordert diesen Schritt“. „Bei nicht fristgerechter Rückgabe sehe ich mich gezwungen eine Räumungsklage einzureichen,“ steht es in dem Schreiben aus dem Rathaus.

„Wo soll ich denn hin?“, fragt sich Rentnerin Maria B., seitdem sie das Kündigungsschreiben im vergangegen Jahr erhalten hat. „Ich bin auf eine altersgerechte und dem Gesundheitszustand entsprechend ausgestattete Wohnung in einem Erdgeschoss angewiesen“, so Maria B. Auch finanziell sitzt ein Umzug kaum drin, lässt sie durchblicken. „Ich habe nur eine kleine Rente und Dank der Witwenrente durch meinen verstorbenen Ehemann komme ich auf etwas über 1.000 Euro im Monat. Damit kann ich keine großen Sprünge machen“. Auch was bei einem Umzug mit ihren zwei kleinen Hunden passiert, kann sie nicht sagen. Tiere sind nicht überall willkommen.

Die Gemeinde hatte Maria B. bereits andere Wohnungen vorgeschlagen. Aber entweder waren diese zu teuer oder lagen in einem höheren Geschoss, so die Seniorin. Treppen steigen wird für sie immer schwerer. Auch die Frage wie ihre Möbel bei einem Umzug von A nach B kommen sollen bleibt offen. „Selber können wir das nicht mehr“, schaute sie ihren Lebenspartner Reiner, mit dem Maria seit 2012 zusammen lebt, an. Und der bestätigte, gesundheitlich sowie finanziell schaffen wir das nicht. Ich gehe nebenher zwar noch arbeiten, aber mehrere tausend Euro für einen Umzug können wir nicht aufbringen“.

Und Reiner L. ließ noch tiefer blicken. „Wenn es mich nicht geben würde, hätte sie sich das Leben genommen“, hatte seine Lebenspartnerin ihm unter Tränen im vergangenen Jahr gesagt. „Sie ist nervlich am Ende und das schlägt ihr alles auf den Magen. Aber so was scheint bei der Gemeinde Twist niemanden zu interessieren“, so Reiner L. weiter.

Auch sei immer die Miete pünktlich bezahlt worden, sowie die Wohnung in einem tadellosem Zustand gehalten worden. „Wir haben uns in Twist immer so wohl gefühlt. Mittlerweile leidet die ganze Familie unter der Situation“.

Die Senioren haben mittlerweile einen Rechtsanwalt eingeschaltet. Die Gemeinde Twist hält weiterhin an der Kündigung fest und hat sich den 28.2.2019 als Übergabetermin in den Kalender eingetragen.

Rein rechtlich mag die Sache ja gesetzeskonform sein, aber moralisch ist es schon fragwürdig. Wir werden die ganze Angelegenheit mal im Auge behalten und berichten wenn es Neues gibt.

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