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Lingen

Beihilfe zur Tierquälerei? Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Mitarbeiter des Veterinäramtes

Matthias Brüning

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Tierschützer haben Anzeige gegen Mitarbeiter des Veterinäramtes des Landkreises Emsland erstattet (Foto: Matthias Brüning)

Meppen. Tiertransporte über lange Strecken nach Nordafrika und Zentralasien und unter quälenden Bedingungen, die sollte es längst nicht mehr geben. Doch nach rbb-Recherchen genehmigten mehrere Veterinärämter solche Fahrten. Auf Platz 1 an der Spitze steht der Landkreis Emsland mit 7197 Exporten. Tierschützer erstatten Anzeige.

Erstmalig konnte ein Rechercheteam vom RBB und dem ARD-Mittagsmagazin einen Datensatz auswerten, der zeigt, welche Landkreise das sind. Die Recherchen belegen auch: Exporteure nutzen diese Schlupflöcher und bringen Rinder gezielt dorthin.

Bei den Landkreisen, die nach wie vor exportieren, handelt es sich um die beiden niedersächsischen Landkreise Aurich und Emsland, Oberspreewald-Lausitz, Teltow-Fläming und Prignitz in Brandenburg, Steinfurt und Rhein-Sieg-Kreis in Nordrhein-Westfahlen, Görlitz in Sachsen und Trier-Saarburg in Rheinland-Pfalz. Brisant ist, dass Tiere auch aus jenen Bundesländern über diese Landkreise verbracht werden, die explizit Exporte in die Tierschutz-Hochrisiko-Staaten ablehnen.

Rinder ins ferne EU-Ausland transportieren, dazu noch in sogenannte Hochrisiko-Staaten mit fragwürdigen Tierwohlstandards – diese Praxis ist umstritten, aber in einigen Bundesländern erlaubt. Recherchen des Senders RBB hatten ergeben, dass bis zuletzt Nutztiere unter anderem aus den Landkreisen Aurich und Emsland und aus Schleswig-Holstein mit amtlicher Erlaubnis unter fragwürdigen Bedingungen nach Nordafrika und Zentralasien transportiert worden sind.

Demnach war das Emsland im vergangenen Jahr sogar Spitzenreiter mit mehr als 7.000 Rinderexporten. Vor knapp zwei Wochen hat nun auch Niedersachsen solche Transporte untersagt. Angestoßen wurde die Recherche des RBB unter anderem durch die Tierschutzorganisation Vier Pfoten – sie hatte mehrere Anzeigen erstattet. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück ermittelt jetzt gegen Mitarbeiter des Veterinäramtes im Landkreis Emsland.

Die Tierschützer werfen den Mitarbeitern Beihilfe zur Tierquälerei vor. Denn die Veterinäre müssen vor dem Transport prüfen, ob die Tierschutzstandards der EU eingehalten werden. Nur dann sind solche Lebendtransporte in Drittstaaten überhaupt zulässig.

Nach Auffassung der Tierschützer werden rechtswidrige Transporte aber systematisch beantragt und durchgewunken. Das hat am Dienstag der Geschäftsführer von Vier Pfoten gegenüber dem RBB geäußert. Er begrüßt es nach eigenen Angaben daher, dass nun ermittelt wird.

Der NDR wollte am Dienstag beim Veterinäramt im Landkreis Emsland nachfragen, aber es war niemand zu sprechen. Grund sei die Urlaubszeit. Auch der RBB hatte hat bundesweit nachgefragt. Alle Landkreise, die geantwortet haben, haben Kritik bislang zurückgewiesen und mitgeteilt, man prüfe die Tiertransporte ordentlich.

Neun Landkreise sind für 97,34 Prozent aller Exporte verantwortlich
1. Emsland (7197 exportierte Rinder)
2. Teltow-Fläming (6478)
3. Aurich (6251)
4. Prignitz (4706)
5. Steinfurt (3576)
6. Oberspreewald-Lausitz (1897)
7. Rhein-Sieg-Kreis (1868)
8. Görlitz (929)
9. Trier-Saarburg (538)

In die nordafrikanische Risikostaaten Ägypten, Algerien, Libyen, Marokko und Tunesien haben insgesamt elf Landkreise 16.731 Tiere exportiert. Die Top-Vier Landkreise Emsland, Aurich, Steinfurt, Rhein-Sieg-Kreis sind dabei für rund 90 Prozent aller Exporte (14.994 Rinder) in diese Länder verantwortlich, ist einem Bericht der Tagesschau zu entnehmen.

"Rasender Reporter" für das mittlere Emsland. Aber auch mal im Bereich Papenburg oder Lingen anzutreffen. Mitglied im Bundesverband Deutscher Pressefotografen. Chefredakteur unserer Redaktion in Meppen.

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