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Meppen

COVID-19 – Positiver Befund – Was passiert dann? Wir haben mit einem Betroffenen gesprochen

Matthias Brüning

Veröffentlicht vor

am

Meppen. In Meppen gibt es aktuell neun bestätigte Covid-19-Fälle (Stand: 28.3.2020). Der erste Fall war Marco L.. Wir haben mit ihm gesprochen und wollten wissen, wie es ihm in der Quarantänezeit ging und vor allem, wie das Ganze abgelaufen ist.

Mittlerweile ist er wieder genesen und darf die Wohnung wieder verlassen. In der täglichen Statistik, die vom Landkreis Emsland veröffentlicht wird, taucht er allerdings bislang nicht auf. Die Zahl der Genesenen wird in Meppen mit Null angegeben.

Wir haben ihm in einem kurzen Interview ein paar Fragen gestellt.

Wie begann es bei Dir?
Also am Montag, den 9.3.2020 fing alles an. Ich hatte leichte Halsschmerzen, fühlte mich irgendwie krank, war einfach schlapp. Zu diesem Zeitpunkt war der Randgedanke mit Corona schon da. Es ging ja bereits seit Tagen durch die Medien. Da ich bereits zwei Wochen zuvor einen grippalen Infekt hatte, dachte ich das kann es nicht schon wieder sein. Am nächsten Morgen rief ich bei meinem Hausarzt an und bekam eine Krankschreibung. Auf Nachfrage wegen Corona wurden mir Fragen gestellt. Ich schilderte die Symptome. Anhand eines Fragenkataloges ging man aber von einer normalen Grippe aus. Ich war auch in keinem Risikogebiet gewesen.

Abends wurden die Symptome dann etwas stärker. Ich bekam Fieber und trockenen Husten und Atemnot dazu. Dies teilte ich am nächsten Morgen meinem Hausarzt mit. „Wir rufen Dich zurück“, hieß es. Im Rückruf wurden dann nochmal die Symptome abgefragt und man verschrieb mir ein schleimlösendes Medikament und Nasentropfen. Ich solle aber nicht raus gehen und keinen Besuch empfangen. Die Verschreibung der Medikamente fand ich schon merkwürdig.

Dies erzählte ich meiner Mutter. Sie ging sofort von Corona aus.

Als es mir am Donnerstag besser ging, hieß es: „Das war dann wohl nur eine Grippe“.
Mit der Antwort war ich nicht ganz zufrieden und rief beim Gesundheitsamt in Meppen an. Dort fragte ich was die dazu sagen würden. Man verwies mich dort auf den Hausarzt. Ich ließ nicht locker, bis man mich am Freitagabend, fast fünf Tage nach meinen ersten Symptomen, zum Testzentrum nach Lingen-Biene schickte. Für mich war das eine „klare Kiste“. In Meppen war das Testzentrum zu diesem Zeitpunkt noch nicht eingerichtet. In 12 – 24 Stunden könne ich mit dem Ergebnis rechnen, sagte man mir. Am Samstagabend um 23 Uhr dann die Nachricht. Der Test fiel positiv aus. „Sie haben eine Covid-19-Infektion“.
Ich dürfe auf keinen Fall die Wohnung verlassen und keinen Besuch empfangen.

Meine größte Sorge war in diesem Moment „Wen hab ich alles angesteckt?“

Ich musste eine Liste erstellen mit allen Namen und Telefonnummern von Menschen mit denen ich den Tagen zuvor in Kontakt war. Es entstand eine Exceltabelle mit etwa 50 Namen, die ich noch in der selben Nacht erstellte und dem Gesundheitsamt zukommen ließ. Am Sonntagmorgen bekamen fast alle genannten Kontakte einen Anruf. Etwa 40 mussten ebenfalls in Quarantäne. Im Nachhinein stellte sich glücklicherweise heraus, dass ich keinen meiner Kontakte angesteckt hatte.

Wie ging es dir in der Quarantäne? Wie lief das ab?
Man sagte mir, es würde am nächsten Tag ein “Aufklärungsanruf” stattfinden und es würde jeden Tag jemand anrufen. Als dann bis Dienstag nichts passierte, rief ich beim Gesundheitsamt des Landkreises an. Man notierte meine Daten und sagte, eine Email mit allen Informationen werde kommen. Diese kam allerdings auch nicht. Am Mittwoch dann ein Anruf. Man erkundigte sich nach Symptomen und fragte nach meiner Körpertemperatur. Ich solle dies auch täglich in das Tagebuch schreiben. Ich erklärte der netten Frau am Telefon, dass ich das Tagebuch noch gar nicht bekommen hätte. Am Mittwoch, vier Tage nach dem Ergebnis, kam dann die angekündigte Mail mit allen Informationen und dem Tagebuch bei mir an. In das Tagebuch musste ich zweimal täglich meine Körpertemperatur, Symptome, Aktivitäten und Kontaktpersonen eintragen. Die nächsten Tag klappte es dann auch mit den täglichen Anrufen (Symptome und Körpertemperatur wurden abgefragt).

Körperlich ging es mir nach einigen Tagen schon wieder gut. Außer der fortbestehenden Appetit- und Geschmacklosigkeit fühlte mich toppfit. Ich wollte dann auch irgendwann wissen wann die Quarantänezeit vorbei ist. Laut meiner Rechnung (2 Wochen nach den ersten Symptomen) hätte es am Samstag soweit müssen. Doch eine Antwort bekam ich nie. Auch schriftlich kam bei mir nichts an. Man würde es dem Arzt vorlegen und es meldet sich dann jemand bei mir. Immer wieder wurde ich vertröstet. „Wir wissen es nicht”, sagte die Frau am Telefon und sprach von momentaner Überlastung.

Am Samstag wollte ich dann endlich eine Antwort haben, ob ich wieder raus darf. Die Decke viel mir quasi auf den Kopf von dem permanenten „Eingesperrtsein“. Als ich dann sagte das ich heute, also zwei Wochen nach den ersten Symptomen, die Wohnung wieder verlassen wollen würde, drohte man mir am Telefon. Das würde mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe bestraft werden können…

Nach mehreren Telefonaten rief dann am selben Tag der Arzt an. Er entschuldigte sich bei mir und sagte, dass es ihm sehr leid tun würde, wie es abgelaufen sei. Am Montag wäre die Quarantänezeit vorbei. Es würde dann jemand anrufen. Ich war sehr froh, dass ich nun ein konkretes Datum hatte.

Am Montagmittag klingelte dann tatsächlich mein Telefon. Die Nummer des Landkreises wurde im Display angezeigt. Hoffnungsvoll wegen des Quarantäneendes ging ich ran. „Hallo Herr L. , ich wollte mich nach den Symptomen erkundigen“, hörte ich am anderen Ende. In dem Moment dachte ich nur, ich bin in einem falschen Film. Das kann doch nicht wahr sein. Wissen sie gar nicht Bescheid? Ich erklärte der netten Frau am Telefon dann die Lage. Nach einigem hin und her war es dann um kurz nach 13 Uhr soweit. Ich wurde offiziell aus der Quarantäne entlassen.

In den folgenden Tagen schaute ich täglich die Statistiken, die der Landkreis veröffentlicht. Da ich vollständig genesen bin, müsste ich eigentlich in der Liste der Genesenen auftauchen. Aber bis zum heutigen Tage (28.3.2020) steht hinter Meppen die Zahl Null.

Dies teilte ich auch beim Landkreis mit, weil auch meine Arbeitskollegen und Freunde fragen, ob ich wirklich wieder gesund bin. Die schauen sich ebenfalls täglich die Zahlen an.
Für mich ist das insgesamt gesehen, alles sehr unangenehm.

Gibt es denn nichts positives was Du darüber berichten kannst?
Ja doch, es wurde sich am späten Samstagabend direkt darum gekümmert, die Infektionskette zu unterbrechen. Am Sonntagmorgen wurden alle Kontakte angerufen und denen Bescheid gesagt, wie sie sich ab sofort verhalten sollen. Zudem sind alle am Telefon sehr nett gewesen.

Danke für das kurze Interview

Warum Marco L. bislang nicht in der Spalte der Genesenen steht, konnten wir noch nicht in Erfahrung bringen. Telefonisch konnten wir beim Gesundheitsamt am Samstagnachmittag niemanden erreichen. Wir versuchen es am Montag nochmal.

Hier die aktuellen Zahlen vom 28.3.2020 (Quelle: Landkreis Emsland)

"Rasender Reporter" für das mittlere Emsland. Aber auch mal im Bereich Papenburg oder Lingen anzutreffen. Mitglied im Bundesverband Deutscher Pressefotografen. Chefredakteur unserer Redaktion in Meppen.

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