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Meppen

Esterwegen – Forschungen zu Kriegsgefangenen im Emsland, Westfalen und den Niederlanden

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Alie Norlag, Remco Reiding / Natalia de Jong / Jeroen Hendriks (Stichting Sovjet Ereveld), Hannelore Tölke / Dmitriy Kostovarov (Ar.kod.M e.V., Dortmund), Prof. Dr. Jürgen Feldhoff (Faculty of Sociology, Bielefeld University), Falk Pingel (Regionale Arbeitsgruppe Ostwestfalen-Lippe "Gegen Vergessen - Für Demokratie"), Jens Hecker, Lennart Schrand / Lea Horstmann / Jacqueline Meurisch / Martin Koers (Gedenkstätte Esterwegen). (Foto: Gedenkstätte Esterwegen 2022)

Esterwegen. In der Gedenkstätte Esterwegen trafen sich Vertreterinnen und Vertreter von Gedenkstätten und -initiativen aus dem Emsland, Westfalen und den Niederlanden zu einem ersten Vernetzungstreffen. Thema war u. a. die gemeinsame Aufarbeitung des Schicksals der Kriegsgefangenen in deutschen Lagern während des Zweiten Weltkriegs.

Mit Beginn des Angriffs auf Polen im Jahre 1939 errichtete die Wehrmacht ein engmaschiges Netz von Kriegsgefangenen-Lagern in den besetzten Gebieten und im “Reich” selbst, das in sogenannte Wehrkreise aufgeteilt war. Auch die Kriegsgefangenenlager im Emsland und in der Grafschaft Bentheim (VI B Versen, VI C Bathorn) waren Teil dieses Systems. Der zugehörige Wehrkreis VI Münster umfasste neben Versen und Bathorn mit seinen Zweiglagern auch die Mannschaftsstammlager (Stalags) VI A Hemer, VI D Dortmund, VI F Bocholt, VI G Bonn-Duisdorf, VI H Arnoldsweiler/Düren, VI J SA-Lager Fichtenhain/Krefeld, VI K (326) Schloß Holte-Stukenbrock sowie die Offizierslager (Oflags) VI A Soest, VI B Dössel-Warburg, VI C Eversheide/Osnabrück, VI D Münster und VI E Dorsten.

Die Gefangenen der großen Stammlager waren zur Zwangsarbeit auf zahlreiche Arbeitskommandos verteilt. Sie wurden im nordwestdeutschen Raum unter anderen zum Arbeitseinsatz in der Moorkultivierung, dem Torfabbau, in der Landwirtschaft sowie in anderen, kriegswichtigen Bereichen eingesetzt. Tausende Kriegsgefangene mussten schwerste Arbeit im Ruhrbergbau leisten. Viele von ihnen starben auf den Zechen, in den Lazaretten oder auch in den “Sterbelagern” Wesuwe und Wietmarschen.

Exemplarisch lässt sich das auch am Schicksal von Ilya Swiridow verdeutlichen: Ilya gerät am 16. Mai 1942 im ukrainischen Charkow in deutsche Kriegsgefangenschaft. Man transportiert ihn in das Stammlager (Stalag) 329 in Winyzja (Ukraine). Hier erfolgt die bürokratische Registrierung in Form einer „Personalkarte I“ und Vergabe einer Erkennungsmarkennummer („20325“). Am 19. Oktober 1942 wird Ilya in das Stalag VI F Bocholt und kurz darauf in das Stalag VI A Hemer „versetzt“, so der bürokratische Begriff für den Transport.

Der tatsächliche Einsatz in der Zwangsarbeit findet im Ruhrbergbau in der Zeche Gelsenkirchen in Duisburg-Beeckerwerth („Arbeitskommando 171“ bzw. „9R“) statt. Die schwere, ungewohnte und gefährliche Arbeit unter Tage, bei unzureichender Ernährung und Unterbringung, endet schließlich mit der Einweisung in das Lager-Lazarett am 4. Juli 1944. Körperlich ausgezehrt, verlegt die Wehrmacht ihn am 31. Juli 1944 in das Offizierslager Oberlangen („Oflag 6“) und am 5. September 1944 in das zugehörige Zweiglager Wesuwe. Der letzte Eintrag auf seiner Personalkarte bezieht sich auf das Todesdatum – Ilya Swiridow stirbt am 16. Oktober 1944 im Alter von nur 44 Jahren. Mit hoher Wahrscheinlichkeit erfolgt die Bestattung in einem Massengrab auf dem Lagerfriedhof in Wesuwe (heute: Kriegsgräberstätte Wesuwe).

Diese mehrfachen Verknüpfungen zwischen den Lagern in der Region Emsland/Bentheim sowie in Westfalen und den Niederlanden diskutierten die Forschenden aus Bielefeld, Dortmund, Leusden/Amersfoort (NL) und Esterwegen.

Im Anschluss an den intensiven Austausch legten die Teilnehmenden einen Gedenkkranz auf dem Außengelände des früheren Konzentrations- und Strafgefangenenlagers Esterwegen nieder. Vor der Gedenkwand mit den Namen der 15 nationalsozialistischen Emslandlager erinnerten sie auch an die mehr als 20.000 Häftlinge und Gefangenen, die zwischen 1933 und 1945 in diesem Lagerkomplex verstarben.

Im weiteren Programm ging Jens Hecker, ehemaliger wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für westfälische Regionalgeschichte des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe und langjähriger ehrenamtlicher Mitarbeiter des Fördervereins Gedenkstätte Stalag 326, in seinem Vortrag auch auf die Planungen der Weiterentwicklung der bestehenden Gedenkstätte 326 (VI K) zu einer Gedenkstätte von nationaler und internationaler Bedeutung ein. Der Stalag 326 war eines der wichtigsten Musterungs- und Durchgangslager für den Arbeitseinsatz sowjetischer Kriegsgefangener mit Lage im heutigen Nordrhein-Westfalen.

Das nächste Vernetzungstreffen zu „Kriegsgefangenen im ehemaligen Wehrkreis VI“ soll im Frühjahr 2023 stattfinden.

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