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Führen die derzeitigen Kontaktbeschränkungen zum Erfolg?

Matthias Brüning

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In Lingen, Meppen und Papenburg gibt es es je ein Testzentrum wo man sich auf das Coronavirus testen lassen kann. Aber wie lange wird es noch dauern bis der Spuk vorbei ist? (Foto: Matthias Brüning)

Zum Thema Kontaktbeschränkungen ein KOMMENTAR von unserem Chefredakteur Matthias Brüning (Redaktion WasLosInMeppen?)

Laut Virologen werden, bzw. MÜSSEN sich 50-70% der Bevölkerung (das sind ca. 55 Millionen! in Deutschland) mit dem Virus anstecken, um eine sog. Herden-Immunität zu erreichen. Fest steht: Das Virus ist NICHT aufzuhalten.

Das heißt, auf das Emsland bezogen: Über 200.000 (!) werden/MÜSSEN sich hier infizieren, bis die Sache erledigt ist. Aktuell (Stand: 14.4.2020) gibt erst 317 positiv getestete im Emsland (Dunkelziffer angenommen 20fach höher = aktuell 6.000 Infizierte). Einen Impfstoff wird es frühestens erst im nächsten Jahr geben. Aktuell wird das ganze nur verlangsamt, um die Kapazitäten in den Krankenhäusern nicht zu überlasten. Also die täglich veröffentlichten und “offiziellen Fallzahlen” des Landkreis Emsland MÜSSEN im Laufe der Zeit auf ca. 10.000 (!) ansteigen. (Mit der angenommenen Dunkelziffer multipliziert, kommt man dann auf die 200.000 im Landkreis Emsland). Nun kann jeder selber rechnen. Also fast JEDER (2 von 3) wird früher oder später einmal betroffen (infiziert) sein. Man kann NICHT davor weglaufen (außer man verschanzt sich jahrelang allein im Haus). Umso mehr Menschen sich infizieren (am besten junge und gesunde Menschen unter 60 Jahren), die es nachweislich überwiegend ohne Symptome überstehen, umso schneller ist der Spuk vorbei. Dabei müssen natürlich die alten und schwachen Menschen (mit Vorerkrankungen), für die das Virus gefährlich ist, geschützt werden. Eine Herden-Immunität ist allerdings nicht mit den aktuellen Maßnahmen machbar. Dafür müssen sie gelockert werden, damit sich mehr Menschen mit dem Virus anstecken. Aktuell verdoppeln sich die Zahlen alle 20 Tage. Eine Verdoppelung der Infiziertenzahlen alle 10 Tage ist laut Experten für die Krankenhäuser kein Problem. Daher waren die 10 Tage anfangs auch das Ziel, über das wir nun doppelt hinausgeschossen sind. Daher gehören die Kontaktbeschränkungen nun gelockert, um eine sog. Herden-Immunität zu erreichen.

Hier ein anschaulicher Video-Beitrag von “ZDF heute”

In einem Interview mit tagesschau.de erklärt Epidemiologe Martin Eichner (Universität Tübingen) die Sachlage.

Die aktuellen Maßnahmen verschaffen uns Zeit zur Vorbereitung auf die Folgen der Corona-Pandemie. Doch sie lösen das Problem nicht, sagt Eichner im tagesschau.de-Interview. Sie verschieben es nur nach hinten“.

Auf die Frage von tagesschau.de „Wie effektiv sind die momentanen Kontaktbeschränkungen?“

Martin Eichner: Die aktuelle massive Kontaktbeschränkung führt dazu, dass sich deutlich weniger Leute anstecken. Das ist erstmal gut. Denn zuletzt ist die Zahl der Neuinfektionen exponentiell gewachsen, was innerhalb kürzester Zeit dazu führt, dass unser Gesundheitssystem völlig überfordert wäre. Das Problem ist allerdings, wenn wir die Ansteckungen aufhalten, wird auch kaum jemand immun. Wir brauchen aber aus epidemiologischer Sicht wohl etwa zwei Drittel Immunität in der Bevölkerung oder etwas mehr, um die Epidemie dauerhaft in den Griff zu bekommen.

tagesschau.de: Die aktuellen Kontaktvermeidungen bringen also gar nichts bei der Bekämpfung der Epidemie?

Eichner: Wir gewinnen Zeit, aber die momentane Kontaktvermeidung verschiebt das Problem nur. Wenn wir nach ein paar Wochen zum normalen Leben zurückkehren, ohne dass wir eine nennenswerte Immunität in der Bevölkerung aufgebaut haben, stehen wir genau am gleichen Punkt, an dem wir vorher standen.
Die Folge: Die gleiche Entwicklung würde wieder ihren Lauf nehmen: Ein Infizierter steckt drei weitere an. Diese dann wieder drei, das sind es schon neun. Und in kurzer Zeit wächst die Kurve wieder exponentiell. Wir haben also lediglich Zeit gewonnen. Aber wir haben die Kurve nicht abgeflacht, sondern verschoben
.

tagesschau.de: Was würde passieren, wenn man die Kontaktbeschränkungen noch weiter verlängern würde?

Eichner: Dann schieben wir die epidemische Welle noch weiter vor uns her. Und das wird eine Gesellschaft kaum über einen sehr langen Zeitraum aufrechterhalten können. Jedenfalls nicht so lange, bis es einen Impfstoff gibt.

Zum vollständigen Interview von tagesschau.de geht es hier im Link
https://www.tagesschau.de/inland/corona-entwicklung-interview-101.html

Zur Person:
Martin Eichner ist Epidemiologe an der Universität Tübingen und hat zusammen mit dem Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg das interaktive Simulationsmodell CovidSIM entwickelt. Damit können Szenarien der Epidemie unter verschiedenen Voraussetzung durchgespielt werden.

Abschließend zurück zur Frage. Führen die derzeitigen Kontaktbeschränkungen (bei der eine Missachtung momentan unter empfindlicher Strafe steht) zum Erfolg? Die Antwortet lautet Nein. Denn die ganzen Maßnahmen verzögern es nur. Die epidemische Welle wird einfach nur vor uns hergeschoben. Denn laut Virologen werden, bzw. MÜSSEN sich 50-70% der Bevölkerung (das sind ca. 55 Millionen! in Deutschland) mit dem Virus anstecken, um eine sog. Herden-Immunität zu erreichen. Die Politik ist hier gefordert, einen guten Mittelweg umzusetzen. Und das möglichst schnell. Ein Lockdown ist keine Dauerlösung. Die aktuellen Maßnahmen verschaffen uns Zeit “zur Vorbereitung auf die Folgen” der Corona-Pandemie. Doch sie lösen das Problem nicht.

"Rasender Reporter" für das mittlere Emsland. Aber auch mal im Bereich Papenburg oder Lingen anzutreffen. Mitglied im Bundesverband Deutscher Pressefotografen. Chefredakteur unserer Redaktion in Meppen.

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