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Papenburg

Gedenkstätte eröffnet Sonderausstellung über fast vergessenen Vertreter der Moderne

Fabian Brand

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Das Foto aus dem Jahr 1934 zeigt Paul Gangolf in Berlin. (Foto: Ernest Rathenau aus: In Memoriam Paul Gangolf, hg. von Ernest Rathenau, New York 1964)

Esterwegen. Unter dem Titel „Paul Gangolf. Vergessener Künstler der Moderne | Ermordeter Häftling des KL Esterwegen“ zeigt die Gedenkstätte Esterwegen ab Dienstag, 11. Mai, eine neue Sonderausstellung. Die unter den Wert 100 sinkende Inzidenz macht die Öffnung der Einrichtung und den Besuch der Ausstellung wieder möglich.

Paul Gangolf wurde am 12. August 1936 von SS-Männern nahe des Konzentrationslagers (KL) Esterwegen bei einem Zwangsarbeitseinsatz erschossen. Der Künstler war in Esterwegen mehrfach inhaftiert worden. Zur Erinnerung an diesen weitgehend vergessenen Maler und Zeichner eröffnet die Gedenkstätte Esterwegen die Sonderausstellung, die die Gedenkstätte seit Ende 2018 gemeinsam mit dem Kunsthistorischen Institut der Universität Osnabrück erarbeitet hat.

Die neue Sonderausstellung widmet sich dem Leben, Werk und Tod dieses neu zu entdeckenden Künstlers. Es ist die erste ausschließlich Paul Gangolf gewidmete Ausstellung seit 1933 und zugleich ein Beitrag der Gedenkstätte Esterwegen zum Festjahr „1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“.

Paul Gangolf, der eigentlich Paul Löwy hieß und jüdischer Religion war, wurde 1879 in Königsberg geboren und wirkte ab 1899 künstlerisch in Berlin, wo er vielfältige Kontakte zu Kreisen der aufkommenden Avantgarde hatte. Den Höhepunkt seines Schaffens erreichte er in den 1920er Jahren, als er in Berlin, London und Paris arbeitete und ausstellte.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde er zweimal verhaftet und jeweils in das KL Esterwegen gebracht. Nach seiner zweiten Ankunft im Lager 1936 ermordete die Lager-SS Paul Gangolf, während sich das NS-Regime in Berlin bei den Olympischen Spielen selbst feierte.

Der von der Außenwelt fast unbemerkte Tod im Konzentrationslager trug dazu bei, dass Paul Gangolf schnell in Vergessenheit geriet. Da seine Werke als „entartet“ galten, wurden sie aus den öffentlichen Sammlungen entfernt, beschlagnahmt und oftmals vernichtet. Seine Kunst weckte erst Anfang der 2000er Jahren langsam wieder größeres Interesse.

Die Ausstellung, die auch originale Werke – unter anderem aus der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig zeigt – ist bis zum 14. Dezember 2021 zu sehen. Eine Eröffnungsveranstaltung muss Corona bedingt leider entfallen.

Eine Anmeldung für den Besuch der Ausstellung ist nicht erforderlich, aber die Hygienevorschriften müssen eingehalten werden. Zudem braucht es einen negativen Corona-Test, der nicht älter als 24 Stunden ist. Selbsttests werden nicht akzeptiert. Der Eintritt ist frei.

Ihr Reporter für Veranstaltungen, Lokales und Sofort-NEWS im Emsland. Mitglied im Bundesverband Deutscher Pressefotografen (BDP). Wir berichten tagesaktuell und fast 24 Stunden am Tag.

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