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„Gefahr im Netz wird größer“

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Bild: (v. l.) Heinz Defayay, derzeitiger Leiter der Polizeiinspektion Emsland Grafschaft Bentheim, Sozialdezernentin Dr. Sigrid Kraujuttis, Ulrich Engling, Leiter Fachbereich Jugend, und Peter Siebert vom Präventionsteam der Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim stellen die Online-Befragung „Digital Na(t)ives“ vor. (Foto: Landkreis Emsland)
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Meppen. Als bundesweit einmaliges Projekt wurde die Online-Befragung „Digital Na(t)ives“ zum Medienverhalten von Schülerinnen und Schülern 2015 durchgeführt und nun in diesem Jahr fortgesetzt. Die zweite große Umfrage der Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim und des Landkreises Emsland fand vor den Sommerferien an insgesamt 19 weiterführenden emsländischen Schulen – von der Oberschule bis zum Gymnasium – statt. Bislang rund 10.000 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen fünf bis zehn konnten bei den beiden anonymen Befragungen erreicht werden, davon allein 3643 im aktuellen Durchgang.

„Dieses regionale Abbild zeigt: Die Gefahr im Netz wird größer. Kinder und Jugendliche müssen wir durch Information und Medienkompetenz davor schützen, zu Opfern in den digitalen Medien zu werden. Um hier geeignete Präventionsangebote umzusetzen, ist die aktuelle Befragung gut als Grundlage geeignet, weil sie Veränderungen und Schwerpunkte identifiziert. Die Vermittlung von Präventionsangeboten kann vor diesem Hintergrund vor allem gut gelingen, weil die Schüler die Fragen erarbeitet haben, sich mit der Befragung identifizieren und nun sehr an den Resultaten interessiert sind“, sagt Landrat Reinhard Winter.

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Der Vergleich zwischen den Ergebnissen von 2015 und 2018 zeigt in besonders sensiblen Bereichen wie Cybermobbing und sexueller Belästigung Veränderungen. Waren 2015 insgesamt 6 Prozent von Cybermobbing betroffen, stieg dieser Wert auf 8 Prozent an. Hinzu kommt, dass sich eine alarmierende Verschiebung hin zu den Grundschulen vollzieht, d. h. nicht die älteren Jahrgänge, sondern vor allem Mädchen und Jungen vor der fünften Klasse sind betroffen. „Schon ein kleiner Kommentar in den sozialen Medien kann eine ganze Lawine an Ereignissen nach sich ziehen. Oft unterschätzen Schüler diese Wirkung. Was als kleiner Scherz beginnt, kann bei den Betroffenen zu großer Angst und Scham führen“, so Heinz Defayay, derzeitiger Leiter der Polizeiinspektion Emsland Grafschaft Bentheim. Die Hälfte der Befragten würde sich im Fall eigener Betroffenheit zuerst an die Eltern wenden. Besorgniserregend ist, dass 48 Prozent der Mobbingopfer ihr Leiden erdulden, ohne sich jemandem anzuvertrauen. Jedoch 75 Prozent der Mitschüler zeigen einen hohen Grad an Zivilcourage: Sie würden Mobbing bei Vertrauenspersonen oder einem Lehrer anzeigen, um dem Opfer zu helfen.

Beim Thema sexuelle Belästigung zeigen sich aktuell ebenfalls deutliche Anstiege gegenüber 2015. Die Frage, ob Schülerinnen beispielsweise schon einmal bei Facebook, WhatsApp oder in einem Dating-Portal nach einem Nacktbild von sich gefragt worden seien, konnte jahrgangsübergreifend von den Mädchen insgesamt öfter mit Ja beantwortet werden als noch vor drei Jahren. In den fünften Klassen beispielsweise lag der alte Wert bei über 4 Prozent, der Wert der aktuellen Befragung bei über 8 Prozent. Besonders besorgniserregend, so Polizeihauptkommissar Peter Siebert vom Präventionsteam der Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim, sei der signifikante Anstieg in den zehnten Klassen. Der Wert stieg von rund 40 auf etwa 51 Prozent an. Dabei ist festzustellen, dass Mädchen generell drei Mal öfter nach Nacktbildern gefragt werden als Jungen.

Bedenklich ist in diesem Zusammenhang der leichtfertige Umgang mit Fotos in den digitalen Medien: 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen haben schon einmal Bilder von jemandem weitergeschickt, obwohl diese Person davon nichts wusste. Auf der anderen Seite haben 25 Prozent der Befragten schon ein Bild von sich im Netz entdeckt, für das sie kein Einverständnis gegeben haben. Zehn Prozent haben bereits freizügige Bilder über die digitalen Medien verschickt. Hinzu kommt, dass 42 Prozent der Befragten beim Sexting die Gefahr als gering einschätzen, dass freizügige Bilder weitergeleitet werden.

Ein Großteil der befragten Kinder und Jugendlichen berücksichtigt „Benimmregeln“ beim Umgang mit dem Handy: 85 Prozent empfinden es als unhöflich, das Handy während eines Gesprächs zu nutzen, davon sind 90 Prozent weibliche und 80 Prozent männliche Nutzer. Weiterhin zeigen sich 61 Prozent (davon 71 Prozent Mädchen, 52 Prozent Jungen) genervt, wenn Freunde die ganze Zeit aufs Smartphone starren. In 69 Prozent der Haushalte ist beim Essen handyfreie Zone. Eine erfreuliche Zahl in Hinsicht auf die jüngste Plakataktion des Landkreises Emsland „Heute schon mit Ihrem Kind gesprochen?“. Entgegen dem allgemeinen Trend, einen Grundschüler schon mit einem Smartphone auszustatten, würden aus Sicht der Schüler 46 Prozent erst ab Klasse 5 oder später (22%) ein solches Geschenk als Eltern machen.

Die beteiligten Schulen haben ihr jeweiliges Ergebnis, das aus Datenschutzgründen nur ihnen zugänglich gemacht wird, bereits erhalten.

Neben der elementaren Vermittlung von Medienkompetenz im Schulalltag gibt es weitere Institutionen wie die Polizeiinspektion Emsland/ Grafschaft Bentheim, die über das Präventionsteam diverse Medienpräventionsangebote vorhalten. Zu finden sind diese im Internet unter www.emsland.de/praevention.


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