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Meppen

Kooperationsmaßnahme „Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierender Gewalt“ und „Kindeswohlgefährdung“

Matthias Brüning

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Schutz von Kindern und Jugendliche vor sexualisierter Gewalt und Kindeswohlgefährdung war Thema in den Räumlichkeiten des SV Union Meppen (Foto: KSB Emsland)

Meppen (pm). Der Kreissportbund Emsland (KSB) und der Niedersächsische Fußballverband Kreis Emsland (NFV) ging wegen der in letzter Zeit ins Gespräch gekommenen Thematik zu sexuellen Vorkommnissen im Kinder- und Jugendbereich in Sportvereinen einen Schritt vor und bot Übungsleitern/Trainern/Betreuern/Eltern sowie allen Interessierten eine Fortbildung dazu an.

Willi Fenslage, Vizepräsident KSB Emsland begrüßte in den Räumlichkeiten des SV Union Meppen dazu die Teilnehmer*innen der Fortbildung „Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierender Gewalt“ und Kindeswohlgefährdung“. In seiner Begrüßung machte er deutlich, dass Prävention und Intervention das Ziel dieser Fortbildungsreihe ist. „Unsere Vereine haben eine große Verantwortung für ihre Sportlerinnen und Sportler und ganz besonders für die, die am meisten Schutz benötigen. Die uns anvertrauten Kinder und Jugendliche. Sie, und auch die Angehörigen, vertrauen darauf, dass sie in ihrem Verein, in ihrer Gruppe, bei ihren Trainerinnen und Trainer, Betreuern und dem gesamten Umfeld gut aufgehoben sind. Dabei wollen wir sie unterstützen“, so Fenslage. Mit Hilfe von exemplarischen und praxisnahen Fallbeispielen, gespeist aus der persönlichen/beruflichen Erfahrung des Referenten Andreas Thomes, kam es zu interessanten Diskussionen, die den anwesenden Übungsleiterinnen/Übungsleitern und Trainerinnen/Trainer erst bewusstwerden ließen, wie es zu sexuellen Übergriffen im Sportverein kommen und wie nahe das Thema doch eigentlich sein kann.

Schnell kam es zur Erkenntnis, dass vor allem das „Hinsehen“ gefördert werden muss. Es gibt 14.000 registrierte Vorfälle pro Jahr in Deutschland, davon einige im Sport. Deutlich wurde, dass sexualisierende Übergriffe ein gesellschafspolitisches Problem ist, dass auch vor dem Sport keinen Halt macht. Geschlossene Systeme, die ohne externe Kontrolle existieren, bieten Tätern ein Umfeld, in dem sie ungehindert agieren können. Wenn ein Trainer sagt: „Kuscheln ist ok, da passiert nichts dabei“, dann hat das im Sport nichts zu suchen. Das muss in den Verhaltensrichtlinien des Vereins klar geregelt sein. In seinem Vortrag führt der Referent weiter aus, das seit 2012 das Umsetzen des Konzeptes „Schutz vor sexualisierender Gewalt im Sport“ in den Sportvereinen verpflichtend ist. Auf Grund der Missachtung es umzusetzen, finden Sexualstraftäter auch weiterhin in den Sportvereinen ein sorgloses Umfeld. Die Vereine sollten das existierende Konzept umsetzen, so hätten Übergriffe in einigen Vereinen verhindert werden können!“

Weiter führt er aus: Schutzkonzepte sind eigentlich Schutzprozesse, die langfristig und nachhaltig im Verein implementiert und gelebt werden sollen. Die Verantwortung hierfür liegt beim Vorstand. Bestandteile eines Schutzkonzeptes sind:
1. Positionierung
2. Risikoanalyse
3. Übungsleiterausbildung
4. Aufstellen von Verhaltensregeln im Sportverein und Beschwerdeverfahren
5. Vertrauensperson/ Beauftrage für Schutz vor sexualisierter Gewalt im Verein schulen und installieren
6. Verfahren bei Vorfall und Verdacht entwickeln
7. Vorlegen des erweiterten Führungszeugnisses
8. Abgabe der nach einer Schulung unterzeichneten Verhaltensrichtlinie (Ehrenkodex)

Einhergehend mit der spezialisierten Ausrichtung der sexualisierten Gewalt wurde zudem das „allgemeinere“ Thema der Gefährdung von Kindern durch Übergriffe verschiedenster Art betrachtet. Es wurde deutlich, dass es überall zu einer Kindeswohlgefährdung kommen kann und dass jedem Menschen und insbesondere den Übungsleiter*innen, Trainer*innen und Betreuer*innen in den Sportvereinen in ihrer Funktion als Sozialisationsinstanz eine wichtige Rolle im Kinderschutz zukommt. Es herrschte somit schnell Einigkeit darüber, dass „Weggucken“ nicht gilt. Die Teilnehmer wurden darauf sensibilisiert, gewichtige Anhaltspunkte zu erkennen und es wurden fachlich qualifizierte Ansprechpartner benannt, um mit solchen Situationen im Bedarfsfall kooperieren zu können. Dies um „so gut es geht“ einen wirksamen Schutz zu gewährleisten. Passivität hilft nur den Tätern, und Vereine können das Risiko für alle Formen sexualisierter Gewalt signifikant verringern, wenn sie eine „Kultur des Hinsehens“ schaffen.

Nick Strothmann (18): „Die Fortbildung war sehr spannend, wir haben viel über verschiedene Arten der sexuellen Belästigung und ihre Vorkommnisse diskutiert. Das war einerseits sehr interessant, wie man sowas schon erlebt und gehandhabt hat, aber gleichzeitig auch erschreckend, was Menschen Kindern antun. Schutz vor sexualisierender Gewalt ist ein wichtiges Thema, auch für mich, damit ich einschätzen kann, was ist erlaubt und was nicht, aber auch um nicht in einen falschen Verdacht zu geraten!“. Resümee einer Teilnehmerin: „Die Veranstaltung war super. Ich habe selbst Kinder und trainiere darüber hinaus eine Kindersportgruppe. Das Thema Schutz vor sexualisierter Gewalt und Kindeswohlgefährdung möchte ich nicht dem Zufall überlassen. Für alle möchte ich den bestmöglichen Schutz nicht nur im Sportverein!“ Interessierte Sportvereine können nach vorheriger Terminabsprache Übungsleiter-Schulungen zu diesem Thema in Vereinseigenen Räumen durchführen. Informationen dazu erteilen Kerstin Kossen (NFV EL) Mobil 0171/5822375 oder Willi Fenslage (KSB EL) Mobil 0176/56507809.

Darüber hinaus besteht speziell für Vereinsführungskräfte die Möglichkeit „Tandemveranstaltungen“ durchzuführen. Ein Tandem ist eine Kooperation der Sportjugend Emsland und dem deutschen Kinderschutzbund Emsland Mitte e.V und der Beratungsstelle LOGO Lingen. Ein Tandem bietet den Vorteil, dass unabhängige Experten den Verein beraten und bei der Implementierung von Schutzprozessen kostenfrei beratend zur Seite stehen.

Bei Interesse können Sie sich hierzu per Mail an die Präventionsbeauftragte Sina Selter unter s.selter@hotmail.de wenden.

"Rasender Reporter" im mittleren Emsland. Aber auch mal im Bereich Papenburg oder Lingen anzutreffen. Mitglied im Bundesverband Deutscher Pressefotografen. Chefredakteur unserer Redaktion in Meppen.

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