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Lingen

Leitstelle Ems-Vechte erhält Akkreditierung als „Center of Excellence“

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Landrat Uwe Fietzek (l.) und Landrat Marc-André Burgdorf (Mitte) freuten sich gemeinsam mit dem Team der Leitstelle Ems Vechte über die erfolgreiche Akkreditierung zum „Center of Excellence“. (Foto: Landkreis Emsland)

Meppen. Als erste Leitstelle in Deutschland und als 298. Leitstelle von weltweit rund 3500 Leitstellen wurde die Leitstelle Ems-Vechte durch die International Academies of Emergency Dispatch mit Sitz in den Vereinigten Staaten, bereits ein Jahr nach Einführung des digitalisierten standardisierten Notrufbearbeitungssystems ProQA, als „Center of Excellence“ akkreditiert. Das ProQA-Abfragesystem, die digital gestützte strukturierte Notrufabfrage, wurde erfolgreich durch die Leitstelle eingeführt. Die Leitstelle arbeitet damit nach den weltweit anerkannten Standards von „Best Practices“ in der öffentlichen Notfallkommunikation.

Die Landräte Uwe Fietzek (Grafschaft Bentheim) und Marc-André Burgdorf (Emsland), die zuständigen Dezernentinnen beider Landkreise, Dr. Sigrid Kraujuttis (Emsland) und Dr. Elke Bertke (Grafschaft Bentheim), Dr. Harald Eversmann, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst, die Vorstände der Leitstelle Michael Albers und Sascha Lehky,  Michael Speer, operativer Leiter der Leitstelle, und digital aus Österreich zugeschaltet Christof Constatin Chwojka vom Board of Accreditation stellten das Abfragesystem bei einem Pressetermin im Meppener Kreishaus vor.

Auf den Zusammenschluss der Leitstellen des Landkreises Emsland und des Landkreises Grafschaft Bentheim zur Leitstelle Ems-Vechte Anfang 2021, folgte die persönliche Qualifizierung der Mitarbeitenden für den Einsatz des ProQA-Abfragesystems. Wenn bei Notfällen – seien es ein Herzinfarkt, ein Schlaganfall, Vergiftungen, Arbeits- und Verkehrsunfälle oder Großschadensereignisse – schwere gesundheitliche Schädigungen, oft auch verbunden mit Lebensgefahr drohen, sind die „Leitstellen das erste Glied in der Rettungskette. Sie sind die unmittelbaren Ansprechpartner für die betroffenen Bürgerinnen und Bürger“, erläutern Fietzek und Burgdorf. Unter hohem Zeitdruck müssen die Disponenten der Rettungsleitstelle zuverlässig Notfallort und Notfallsituation erfassen, die Gefahr für Leib und Leben abschätzen, von weniger oder nicht zeitkritischen Beschwerden abgrenzen und die geeigneten Rettungsmittel zur Hilfe entsenden.

Damit dies in bewährten Strukturen, in gleichbleibender Qualität und am Ende mit der bestmöglichen Hilfeleistung geschieht, kommt die strukturierte Abfrage zum Einsatz. „Es wird somit an einem Dienstagvormittag nicht anders entschieden, als an einem Mittwochvormittag“, verdeutlicht Burgdorf. Die Abfrage beginnt mit der Anleitung des Anrufers zu ersten Maßnahmen, mit denen Hilfe geleistet werden kann. „In vielen Fällen ist dies für das Überleben und die Heilungschancen des Notfallpatienten ganz entscheidend. Dies muss heute als Standard in Leitstellen gefordert werden“, sagen Fietzek und Burgdorf. „Vom Verhalten bei Krampfanfällen, Anleitung zur Wiederbelebung, dem Freihalten von Atemwegen bis zu einer plötzlich einsetzenden Geburt, wie dies erst vor wenigen Wochen geschehen ist, kann alles passieren. Da braucht es die richtigen Hinweise nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft“, erläutert Eversmann.

Da in der Regel dabei Betroffene einer starken emotionalen Belastung ausgesetzt sind, bedeutet dies eine große Herausforderung für die Disponenten. Denn der Leitstellendisponent hat selbst keine eigene Wahrnehmung vom Geschehen an der Einsatzstelle. Er muss die Eindrücke der Anrufenden aktiv durch Erfragen für sich nutzen. Alle für die Einsatzentscheidung und ersten Anweisungen wesentlichen Informationen müssen erfasst werden. Manche Ereignisse können auch für weitere Personen am Notfallort wie Ersthelfende und die anfahrenden professionellen Einsatzkräfte zur Gefahr werden. Beispielhaft sind dies austretende Giftgase, explosive Stoffe oder auch die Gefährdungen durch nachfolgenden Verkehr bei Unfällen auf der Autobahn oder durch aggressive und ggf. bewaffnete Personen an der Einsatzstelle. Zudem bedarf es bei Notfällen an nicht frei zugänglichen Orten, die nicht mit der Trage zu begehen sind, beispielsweise in engen Treppenräumen, oder bei eingeklemmten Körperteilen, einer koordinierten Bereitstellung von Einsatzkräften wie beispielsweise Notarzt- und Rettungsdienst, Feuerwehr, technische Hilfeleistung, Rettungshubschrauber, Ersthelfersysteme, Polizei, Ordnungsbehörden und Einheiten von Hilfsorganisationen.

„All dies zusammengenommen macht deutlich, dass die Disponenten nicht aufgrund eigener Erfahrungen und aus dem Bauch heraus Entscheidungen treffen können. Die Komplexität des Sachverhalts macht es erforderlich, dass stets aktualisierte Datenbanken und Informationssysteme, wie sie nur von qualitativ hochwertigen Notrufbearbeitungssystemen mit einem medizinischen Fachgremium im Hintergrund dargestellt werden können, für die erfolgreiche Bewältigung einer Notlage wichtig sind“, betonen die Landräte.

„Sie messen sich nun mit London, Hongkong und Wien“, sagte Chwojka und gratulierte zur Akkreditierung. Dies sei das Ziel der ersten großen Etappe, machte er klar, dass es sich um einen fortlaufenden Prozess von Re-Akkreditierungen handele, bei dem die Leitstelle alle drei Monate auf den Prüfstand komme.

„Die Leitstelle Ems-Vechte hat durch ihre Akkreditierung zum Center of Excellence ihren konsequenten Einsatz für die Erfüllung höchster Standards in der Notrufdisposition bewiesen. Eine solche Leistung ist nur durch persönlichen Einsatz auf allen Ebenen möglich – einer für Innovation offenen Verwaltung der Landkreise Emsland und Grafschaft Bentheim als Träger der gemeinsamen Leitstelle, einer engagierten Leitungsebene und insbesondere durch motivierte Mitarbeiter“, so Burgdorf und Fietzek abschließend.

Ihr Reporter für Veranstaltungen, Lokales und Sofort-NEWS im Emsland. Mitglied im Bundesverband Deutscher Pressefotografen (BDP).

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