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Papenburg

Papenburg – Nahschuss, humaner als die Guillotine?

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Wird die Unmenschlichkeit der Todesstrafe cineastisch näherbringen: Regisseurin und Fotokünstlerin Franziska Stünkel am Set von „Nahschuss“. (Foto: Franziska Stünkel)

Papenburg. „Cities for life“, so heißt der weltweite Aktionstag gegen die Todesstrafe. In Kooperation mit der örtlichen Amnesty Gruppe setzt die Stadt Papenburg seit 2012 am 30. November jeden Jahres ein Zeichen für die Abschaffung von Hinrichtungen, die noch immer in 56 Staaten der Erde praktiziert werden. Der internationale Tag „Cities for life” ist die weltweit größte Mobilisierung von Städten und Bürgern für die Achtung der Menschenrechte. Üblicherweise erstrahlen an diesem Tag Wahrzeichen und besondere Gebäude auf der ganzen Welt in buntem Licht, wie in Papenburg das Kino, die Alte Drostei und das Rathaus. In diesem Jahr findet jedoch etwas ganz Besonderes statt; eine thematisch passende Filmvorführung für Schulen, bei der die Regisseurin selbst dabei ist.

Mit „Nahschuss“ gelingt Filmemacherin und Fotokünstlerin Franziska Stünkel ein eindringlicher Film über die Todesstrafe in der DDR. Angelehnt an das Leben des Dr. Werner Teske, der 1981 als letzter Mensch in der DDR zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde, erzählt sie in herausragenden Bildern die bestürzende Geschichte eines Mannes, der in die Mühlen eines Unrechtssystems gerät und daran zerbricht:

Der junge Walter (Lars Eidinger) hat gerade an der Humboldt-Universität promoviert, als er ein attraktives Angebot vom Auslandsnachrichtendienst (HVA) der DDR erhält. Geblendet von den vielen Vorzügen, die der neue Job mit sich bringt, nimmt Franz das Angebot an. Gemeinsam mit seiner Freundin Corina (Luise Heyer) genießt er zunächst das neue Leben. In seinem Vorgesetzten Dirk (Devid Striesow) findet Franz einen ihm wohlgesinnten Mentor, der ihm während der gemeinsamen Auslandseinsätze in der BRD mit Rat und Tat zur Seite steht. Zunächst scheinen Franz‘ Missionen lediglich dem Informationsbedarf der DDR zu dienen, doch dieser wird bald größer und monströser. Als Franz bei seinen Arbeitsaufträgen plötzlich zu Mitteln greifen muss, die er nicht länger mit seinem Gewissen vereinbaren kann, entschließt er sich auszusteigen – doch der Geheimdienst will ihn nicht gehen lassen. Bald ist Franz bereit, alle Grenzen zu überschreiten – und alles zu riskieren. Franz‘ Überlebenskampf gegen ein erbarmungsloses System beginnt.

Bis 1968 wurde in der DDR das Todesurteil mit dem Fallbeil vollstreckt. Weil sich die Guillotine mechanisch allerdings als zunehmend fehleranfällig erwies, ging man zu einer sichereren Methode über, die man auch als humaner begriff: den unerwarteten Nahschuss in den Hinterkopf. Am 26. Juni 1981 war Werner Teske der letzte, an dem in der Leipziger Justizvollzugsanstalt im Gebäude des ehemaligen Königlichen Landgerichts die Todesstrafe vollstreckt wurde. Im Erdgeschoss der Leipziger Arndtstrasse 48 wurden 64 Menschen hingerichtet, insgesamt wurden in der DDR 166 Personen aufgrund von Urteilen der ostdeutschen Justiz hingerichtet. Offiziell wurde die Abschaffung der Todesstrafe durch den Staatsrat erst am 17. Juli 1987 beschlossen.

Amnesty Papenburg und Papenburg Kultur laden alle Interessierten ein, die Vorführung am 30. November um 19:30 Uhr zum durch das Kino Papenburg vergünstigten Preis von lediglich fünf Euro zu besuchen. Im Anschluss findet das Nachgespräch mit der Regisseurin Franziska Stünkel statt. Vor- und nach dem Film können Petitionen zur Aufforderung der Abschaffung der Todesstrafe in Ghana unterschrieben werden. Alle Besucherinnen und Besucher sind eingeladen sich zu engagieren und ein Zeichen gegen die Todesstrafe zu setzen.

Ein Video zu diesem Thema finden Sie hier:

 

Ihr Reporter für Veranstaltungen, Lokales und Sofort-NEWS im Emsland. Mitglied im Bundesverband Deutscher Pressefotografen (BDP).

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