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Papenburg

Papenburg – „Stolpersteine weisen den Weg“

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Worte zum Nachdenken fand die Schülerin Hannah Heider bei der Gedenkveranstaltung am Papenburger Hauptkanal und berührte damit sichtlich die rund 150 Besucherinnen und Besucher. (Foto: Stadt Papenburg)

Papenburg. Der 9. November 1938 ist ein schrecklicher und beschämender Tag in der Deutschen Geschichte. An diesem Tag erreichte die systematische und staatliche Verfolgung der Juden im damaligen Deutschen Reich einen vorläufigen grausamen Höhepunkt mit der Pogromnacht.

Am Abend und in der Nacht des 9. November brannten nicht nur hunderte Synagogen, Gebetshäuser und jüdische Geschäfte in Deutschland nieder. Das Nazi-Regime ermordete in diesen Tagen auch mehr als 400 jüdische Mitbürger oder trieb sie in den Selbstmord. So wurde auch in Papenburg das jüdische Gotteshaus am Hauptkanal niedergebrannt, an dessen ehemaligem Standort am heutigen Dienstag eine bewegende Gedenkveranstaltung stattfand.

Schülerinnen und Schüler der Klasse 8d des Gymnasiums Papenburg haben sich mit dem Leben der jüdischen Bevölkerung zur Zeit des Nationalsozialismus auseinandergesetzt und über die Geschehnisse in Papenburg recherchiert. Dabei stießen sie auf die „Stolpersteine“, kleine, im Boden verlegte Gedenktafeln, die an das Schicksal der Menschen erinnern, die in der NS-Zeit verfolgt, ermordet, deportiert oder in den Suizid getrieben wurden. Sie beschlossen, diese Tafeln erstmals nach vielen Jahren zu reinigen. „Beim genauen Hinsehen haben wir festgestellt, dass man die Stolpersteine in ganz Papenburg wiederfindet“, berichtet der Schüler Felix Graß, „Sie bezeichnen die Stellen, an denen Juden in Papenburg vor der Deportation gelebt haben. Allerdings mussten wir auch feststellen, dass diese Steine eher unscheinbar gewesen sind, weil sie ganz angelaufen waren, weshalb wir uns entschlossen haben, sie zu putzen. Uns ist in der Projektwoche klargeworden, dass es wichtig ist, sich mit dem Antisemitismus auch in der heutigen Zeit kritisch auseinanderzusetzen“.

Nur wenige Menschen, die die damaligen Gräueltaten überlebten, sind auch heute noch unter uns, um von ihren Erlebnissen zu berichten. Eine dieser Überlebenden war die in Lathen geborene Erna de Vries, die im vergangenen Monat im Alter von 98 Jahren verstarb. Die Auschwitz-Überlebende erzählte ihre bewegende Geschichte bis ins hohe Alter in Schulen und Bildungseinrichtungen und trug somit maßgeblich dazu bei, die Erinnerung gerade bei Schülerinnen und Schülern wach zu halten. „Mit dem Tod von Erna de Vries vor wenigen Wochen ist die für unsere Region wichtigste Zeitzeugin verstorben“, betrauert Papenburgs Bürgermeisterin Vanessa Gattung, „Sie galt als wichtigste Stimme der Holocaust-Überlebenden. Ihr Lebenswerk wird vielen Anwesenden sicher noch lange in Erinnerung bleiben. Sie hat sich zu Lebzeiten der Aufgabe verschrieben, Menschen über ihre Erlebnisse im Nationalsozialismus zu informieren. Auch im hohen Alter hat sie Veranstaltungen besucht und berichtet, was sie erlebt hat und was ihr als Mädchen angetan wurde. Mein tiefes Mitgefühl gilt der Familie und den Hinterbliebenen“.

Nach der Verlesung der 40 Namen jüdischer Mitbürger, die durch die Nationalsozialisten ermordet wurden, verneigte sich Bürgermeisterin Gattung vor dem Gedenkstein und ließ seinen Moment der andächtigen Stille zu. „Diese Erlebnisse dürfen nicht in Vergessenheit geraten“, mahnt Gattung, „Um den Schülerinnen und Schülern einen noch näheren Einblick zu ermöglichen, wird am Freitagabend ein Theaterstück mit dem Titel ‚Die Reise der Verlorenen‘ stattfinden. Hier haben die Zuschauerinnen und Zuschauer im Anschluss die Möglichkeit, mit den Darstellerinnen und Darstellern ins Gespräch zu kommen und sich über die Inhalte auszutauschen“. Die Veranstaltung findet am kommenden Freitag um 19:30 Uhr in der Papenburger Stadthalle statt.

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Ihr Reporter für Veranstaltungen, Lokales und Sofort-NEWS im Emsland. Mitglied im Bundesverband Deutscher Pressefotografen (BDP). Wir berichten tagesaktuell und fast 24 Stunden am Tag.

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