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Meppen

Russischer Gefangener aus Emslandlagern wurde Olympiasieger

Matthias Brüning

Veröffentlicht vor

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Jakow Punkin verbrachte mehrere Jahre in deutschen Kriegsgefangenenlagern

Meppen/Dalum. Der russische Kriegsgefangene Jakow Punkin, der unter anderem in den Emslandlagern im Raum Meppen (Fullen, Dalum) inhaftiert war, wog am Tag seiner Befreiung, im Jahr 1945, nur noch 36 kg und war dem Tode näher als dem Leben. Nur wenige Jahre später gewann er Olympisches Gold in der Disziplin Ringen sowie viele weitere Titel. Punkin starb im Jahr 1994. Er wäre am 8. Dezember diesen Jahres 100 Jahre alt geworden. Vor Kurzem konnten nun unbezahlbare Raritäten aus dem Emsland für das Museum von Zaporizhzhya übergeben werden.

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges 1941 war Jakow Punkin als 20-Jähriger in die Sowjetarmee eingetreten, wurde aber bald von den Deutschen gefangen genommen und verbrachte den Rest des Krieges in deutschen Kriegsgefangenenlagern: bis Sommer 1942 im Emsland (Meppen-Fullen und Dalum), 1942–1945 in Osnabrück und später 1945 bei Magdeburg. Während des ganzen Jahres stellte sich Punkin als muslimischer ossetischer Mann dar, der seine jüdische Herkunft versteckte, sonst würde er viel früher erschossen werden als viele seiner Zellengenossen.

Als er 1945 von sowjetischen Truppen in Magdeburg befreit wurde, wog er nur noch 36 kg. Nachdem er sich von diesen Schrecknissen des Krieges erholt hatte, begann er in Saporoschje wieder mit dem Ringen und gehörte schon bald wieder zur sowjetischen Spitzenklasse im griechisch-römischen Stil im Federgewicht. Zum ersten Mal wurde er 1949 sowjetischer Meister.

Sechs Jahre nach dem Krieg, im Jahr 1951, wurde Punkin Gewinner des Weltjugend-und Studentenfestival in Berlin. Der Preis als bester Wrestler der Weltspiele wurde ihm von DDR-Präsident Wilhelm Peak verliehen, und im Juli 1952 wurde der legendäre Wrestler dann einer der ersten ukrainischen Olympiasieger.

Im Jahr 2020 lernte der Präsident des russischen Ringerverbandes, Valery Smirnov, den Meppener Trainer Wladimir Degenhart (Ringergruppe TV Meppen) kennen. Man tauschte sich über mehrere Wochen aus, bis dann ein Besuch in Deutschland stattfand. Im Frühjahr diesen Jahres übergaben Wladimir Degenhart und seine Trainerkollegen vom TV Meppen, Dimitrij Gaas und Igor Wentland, unbezahlbare Raritäten für das Museum in Zaporizhzhya: Eine Handvoll Land aus dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers XII Dalum, ein Stück Torf aus Torfsumpf, an dem die Häftlinge arbeiteten und einen Ziegelstein von der Mauer des ehemaligen KZ.

Zur Erinnerung an Jakow Punkin soll es ein Freundschaftsspieltreffen in Meppen und Zaporozhye geben. Ein genauer Termin ist hierfür noch nicht bekannt.

"Rasender Reporter" im mittleren Emsland. Aber auch mal im Bereich Papenburg oder Lingen anzutreffen. Mitglied im Bundesverband Deutscher Pressefotografen. Chefredakteur unserer Redaktion in Meppen.

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