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Meppen

Warum haben rund 20 Menschen in Meppen demonstriert? Wir haben nachgefragt.

Matthias Brüning

Veröffentlicht vor

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Nahe der Schülerwiese in Meppen fand das spontane Interview mit drei Teilnehmern der Demonstration in Meppen statt.

Meppen. Am vergangenen Samstag kam es in der Meppener Innenstadt zu einer spontanen Demonstration von rund 20 Menschen. Hintergrund war der tödliche Schuss zwei Tage zuvor, aus einer Polizeiwaffe, bei einem Vorfall am 18. Juni in Twist, der aktuell noch von der Staatsanwaltschaft untersucht wird (wir berichteten).

Wir haben mit drei beteiligten Personen der Demonstration gesprochen und ihnen ein paar Fragen zur Motivlage des sponatanen Auftretens gestellt.

Warum habt ihr in Meppen demonstriert und nicht in Twist? Was war der Grund?
Die Menschen in Twist haben durch den Vorfall schon einiges mitgemacht. Wir wollten mit einer Demo in Twist nicht für noch mehr Aufregung sorgen und die Menschen verunsichern. Wir haben deshalb bewusst Meppen gewählt.

Was war denn das Ziel der Demonstration?
Wir haben unseren Bruder, Freund und einen Mitmenschen verloren. Die mediale Berichterstattung hat uns sehr verunsichert und irritiert. Wir haben uns die Frage gestellt, warum wurde auf ihn geschossen, ohne das der Gebrauch der Schusswaffe angedroht wurde oder ein Schreckschuss abgefeuert worden ist? Es wurde flächendeckend von einem Schuss in den Oberschenkel bzw. Bein berichtet, uns ist von einem Zeugen ein Schuss in den Bauch berichtet worden. Diese Aussage mit dem Beinschuss verunsicherte uns. Wir wussten zum Zeitpunkt der Demonstration nicht was die Wahrheit ist und konnten es auch nirgendwo in Erfahrung bringen. Wir wollten nur wissen was wirklich passiert ist. Wir respektieren und vertrauen auf die deutsche Justiz und werden natürlich öffentlich Zurückhaltung walten lassen und die Behörden Ihre Arbeit machen lassen. Wir wissen alle was weltweit passiert. Mit unserer Demo wollten wir darauf hinweisen, dass wir eine faire und transparente Justiz für unseren verlorenen Bruder wollen.

Wir möchten uns auch bei der Meppener Polizei bedanken, die Beamten haben großes Herz gezeigt. In der ganzen Aufregung und der Angst, dass wir nun auch hier einen Zustand wie mancher Orts erleiden müssen, sind auch Worte gefallen, die nicht unsere Absichten entsprachen. Wir möchten uns entschieden davon distanzieren. Wir sind keine Kravallmacher, die wie aktuell in Stuttgart für Unordnung sorgen wollen, und sogar vor Gewalt gegen die Polizei nicht zurückschrecken. Wir betrachten uns als Familie des Verstorbenen und sehen es als unsere Pflicht an, Ihm eine letzte Ehre zu erweisen und für eine faire und transparente Justiz zu werben. Dass was unser Bruder gemacht hat, war falsch und lässt sich nicht schönreden. Die Situation ist für uns alle sehr schwer, wir sind sehr traurig diesen Verlust zu erfahren und wir sind uns sicher, dass der Beamte ebenfalls eine schwere Zeit durchmachen muss und er nicht aus rassistischen Motiven gehandelt hat.

Da wo ihr jetzt wohnt, sprechen die Menschen (Einheimische) mit euch?
Momentan weniger. Das ganze Land befindet sich durch Corona in einer schwierigen und teils ungewissen Zukunft. Wir haben die Möglichkeit bekommen, Sprachkurse zu besuchen und die deutsche Sprache zu erlernen. Die Sprache ist natürlich ganz wichtig um unter anderem soziale Kontakte zu knüpfen und mit den Einheimischen zu kommunizieren.

Gibt es rassistische Aussagen oder auch Anfeindungen von Menschen in eurem Umfeld?
Das können wir so nicht bestätigen. Wir sind bereit, unseren Beitrag zu leisten und uns an die Lebenskultur und Werte im Emsland anzupassen und uns in die Gesellschaft einzugliedern. Im Emsland leben nun mal weniger Dunkelhäutige, als z.B. in Hamburg oder anderen Großstädten. Das ist ein langjähriger Prozess, wo wir aktiv und positiv auf die Menschen zugehen wollen, um für ein besseres und harmonischeres Miteinander zu sorgen. Es ist echt ein schönes Gefühl zu sehen, wie viele Menschen insbesondere in den sozialen Medien sich ganz klar gegen Rassismus bekennen. Das Emsland und die Polizei Meppen haben Rassismus ganz klar die rote Karte gezeigt.

Wie ist die allgemeine Lage? Habt ihr Arbeit? Dürft ihr arbeiten und auch Geld verdienen?
Ja und nein. Jeder Antrag wird individuell geprüft. Viele unserer Brüder aus Afrika dürfen Arbeiten und gehen seit Jahren eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nach und haben Familien im Emsland gegründet. Die afrikanische Lebenskultur passt sehr zum Emsland, auch wir feiern gerne, tanzen gerne, sind fleißige Arbeiter, lieben Fussball und mögen auch mal ein Bierchen. Ein Satz ist mir in Erinnerung geblieben… “Welche Arbeit ist egal, Hauptsache legal arbeiten und mit anpacken”.

Was wünscht ihr euch für die Zukunft?
Wir erleben es auf unsere Arbeitsstätten, dass immer mehr Menschen z.B. aus den angrenzenden Regionen Niedersachsens, z.B. aus dem Ruhrpott ins Emsland ziehen, weil hier ein familiäres leben noch möglich ist, unter guten und bezahlbaren Wohnverhältnissen. Wir sind sehr dankbar und glücklich ein Teil davon sein zu dürfen. Schade ist, dass wir überall immer wieder hören, dass es viele Betriebe im Emsland gibt, die nicht wachsen können, weil Ihnen Personal fehlt. Wir können stellvertretend für viele Menschen sprechen, dass wir gerne arbeiten wollen und das die Unternehmen in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Emsland auf uns zählen können und wir bereit sind jede Arbeit zu übernehmen.

Wir danken für das Gespräch.

Aufgrund aktuell zahlreicher Termine waren wir zeitlich leider sehr kurz angebunden, bedanken uns aber trotzdem für das spontane Treffen und die offenen Worte und vor allem für das Vertrauen in uns als Presse- und Medienunternehmen in Meppen.

Wenn man mit Menschen spricht, hat man hinterher oftmals ein ganz anderes Bild. Viele negativ behaftete Vorurteile bestätigen sich plötzlich nicht mehr.

Fazit: Menschen sollten viel mehr aufeinander zugehen und miteinander reden. Das könnte so manchen Konflikt im Vorfeld aus der Welt schaffen.

"Rasender Reporter" für das mittlere Emsland. Aber auch mal im Bereich Papenburg oder Lingen anzutreffen. Mitglied im Bundesverband Deutscher Pressefotografen. Chefredakteur unserer Redaktion in Meppen.

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