Unfallbilder in den sozialen Medien: Information, Abschreckung oder pietätlos?

Meppen. Bilder und Videos von schweren Verkehrsunfällen sorgen in sozialen Netzwerken regelmäßig für Diskussionen. Während einige Menschen solche Aufnahmen als pietätlos empfinden, sehen andere darin eine Möglichkeit, auf die oftmals dramatischen Folgen von Unachtsamkeit und riskantem Verhalten im Straßenverkehr aufmerksam zu machen. Auch für Redaktionen ist die Entscheidung, welche Bilder veröffentlicht werden, nicht immer einfach.
Matthias Brüning
Symbolfoto: Matthias Brüning

Bilder von zerstörten Fahrzeugen, Trümmerfeldern oder umfangreichen Rettungseinsätzen gehören zur Berichterstattung über Verkehrsunfälle. Besonders in den sozialen Medien erreichen entsprechende Beiträge innerhalb kurzer Zeit viele Menschen. Gleichzeitig fallen die Reaktionen darauf sehr unterschiedlich aus.

Unter entsprechenden Veröffentlichungen finden sich immer wieder Kommentare, in denen Nutzer kritisieren, dass Bilder oder Videos von Unfallstellen überhaupt gezeigt werden. Gerade bei schweren oder tödlichen Unfällen wird die Frage gestellt, ob eine solche Darstellung gegenüber Betroffenen und Angehörigen angemessen ist.

Andere vertreten dagegen die Ansicht, dass Bilder von Unfallstellen einen wichtigen Teil der Berichterstattung darstellen können. Ein Foto eines stark beschädigten Fahrzeugs könne beispielsweise deutlicher als eine reine Textmeldung vermitteln, welche Folgen ein Verkehrsunfall haben kann. Manche erhoffen sich davon sogar einen abschreckenden Effekt: Wer die möglichen Konsequenzen von zu hoher Geschwindigkeit, Ablenkung oder anderen Risiken sieht, fährt möglicherweise bewusster und vorsichtiger.

Zwischen Informationsinteresse und Rücksichtnahme

Damit bewegt sich die Veröffentlichung von Unfallaufnahmen in einem Spannungsfeld. Auf der einen Seite besteht ein öffentliches Interesse daran, über größere Verkehrsunfälle, Straßensperrungen und Rettungseinsätze zu berichten. Bilder können dabei helfen, das Ausmaß eines Ereignisses einzuordnen.

Auf der anderen Seite steht der Schutz der Menschen, die unmittelbar von einem Unfall betroffen sind. Besonders sensibel wird es, wenn Verletzte oder Verstorbene zu erkennen sind oder wenn anhand von Kennzeichen, persönlichen Gegenständen oder anderen Details Rückschlüsse auf die Identität möglich werden.

Ein besonders wichtiger Punkt ist die Benachrichtigung der Angehörigen. Bei schweren Verkehrsunfällen kann es vorkommen, dass erste Informationen und Bilder bereits in sozialen Netzwerken verbreitet werden, während Familienangehörige noch nichts von dem Unglück wissen. Für Betroffene wäre es eine kaum vorstellbare Situation, möglicherweise über ein Foto im Internet erstmals mit einem schweren Unfall eines nahestehenden Menschen konfrontiert zu werden.

Auch bei waslosin.de (Meppen, Lingen, Papenburg) ist die Entscheidung über die Veröffentlichung von Bildern einer Unfallstelle nicht immer einfach. Die Redaktion möchte einerseits zeitnah und umfassend über Ereignisse in der Region informieren, sieht andererseits aber auch eine besondere Verantwortung gegenüber Unfallopfern und deren Angehörigen.

Deshalb soll künftig bei besonders schweren Verkehrsunfällen noch stärker darauf geachtet werden, wann direkte Aufnahmen der beteiligten Fahrzeuge veröffentlicht werden. Bei Unfällen mit Todesopfern oder schwerstverletzten Personen sollen entsprechende Fahrzeugaufnahmen grundsätzlich erst veröffentlicht werden, wenn davon ausgegangen werden kann, dass die Angehörigen benachrichtigt worden sind.

Bis dahin wird über einen Unfall selbstverständlich weiterhin aktuell berichtet werden – beispielsweise mit Informationen zur Unfallstelle, zu Straßensperrungen und zum Einsatz von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst. Bei der Bildauswahl soll in solchen Fällen jedoch besondere Zurückhaltung gelten.

Damit soll vor allem verhindert werden, dass Angehörige möglicherweise durch ein Foto eines ihnen bekannten Fahrzeugs in sozialen Netzwerken von einem schweren oder tödlichen Unfall erfahren.

Entscheidend ist deshalb häufig weniger die grundsätzliche Frage, ob Bilder von Verkehrsunfällen veröffentlicht werden sollten, sondern vielmehr welche Bilder gezeigt werden und zu welchem Zeitpunkt dies geschieht.

Ein Foto eines Rettungseinsatzes oder einer Unfallstelle kann einen journalistischen Informationswert besitzen, ohne sofort Details zu zeigen. Nahaufnahmen oder drastische Szenen überschreiten dagegen schnell die Grenze zwischen Information und Sensationsdarstellung.

Auch Videos spielen dabei eine zunehmend größere Rolle. Bewegte Bilder vermitteln die Situation vor Ort oftmals noch unmittelbarer als Fotos. Gleichzeitig steigt damit die Verantwortung bei der Auswahl der gezeigten Szenen.

Abschreckung oder Gewöhnung

Ob Unfallbilder tatsächlich dazu führen, dass Menschen anschließend vorsichtiger fahren, lässt sich nicht pauschal beantworten. Während solche Aufnahmen bei manchen Betrachtern durchaus zum Nachdenken führen können, besteht ebenso die Möglichkeit, dass sich Menschen durch die Vielzahl entsprechender Inhalte an solche Bilder gewöhnen.

Eine allgemeingültige Antwort dürfte es kaum geben. Die Diskussion zeigt jedoch, wie unterschiedlich Unfallberichterstattung wahrgenommen wird. Was für den einen wichtige und möglicherweise sogar präventive Information ist, empfindet ein anderer als unnötig oder pietätlos.

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