Smartphones, soziale Medien und Kinderschutz: Intensive Diskussion in Lingen

Lingen (pm). Wie können Kinder und Jugendliche besser vor den Gefahren der digitalen Welt geschützt werden? Darüber diskutierte der CDU-Landtagsabgeordnete und bildungspolitische Sprecher Christian Fühner im Rahmen seines Veranstaltungsformats „Christian trifft … Menschen mit Verantwortung“ mit der Bestseller-Autorin und Bildungsexpertin Silke Müller. Rund zwei Stunden lang standen im neuen Forum des Franziskusgymnasiums in Lingen die Auswirkungen von Smartphones und sozialen Medien, der Kinder- und Jugendschutz im Netz sowie grundsätzliche Fragen an Schule, Eltern und Politik im Mittelpunkt.
Fabian Brand
Die Bildungsexpertin Silke Müller (rechts) diskutierte mit dem örtlichen Landtagsabgeordneten über die Bildungspolitik in Niedersachsen. (Foto: CDU)

Unter den Gästen waren Lehrkräfte, Schulleitungen, Erzieherinnen und Erzieher, Elternvertreter, Fachleute aus dem Kinderschutz sowie zahlreiche weitere Interessierte. Entsprechend intensiv entwickelte sich die Diskussion über die Frage, wie Erwachsene ihrer Verantwortung gegenüber Kindern in einer digitalen Welt besser gerecht werden können.

Silke Müller machte deutlich, dass Kinder und Jugendliche heute mit Inhalten konfrontiert werden, auf die sie vielfach nicht vorbereitet sind. Gewalt, Pornografie, Cybermobbing, gefährliche Challenges oder die gezielte Ansprache von Kindern durch Erwachsene gehörten zu den Risiken. Gleichzeitig gehe es nicht darum, Digitalisierung grundsätzlich abzulehnen. Vielmehr brauche es klare Grenzen, Medienkompetenz und Erwachsene, die Kinder aktiv in der digitalen Welt begleiten.

„Wir dürfen Kinder mit diesen Herausforderungen nicht alleinlassen. Das Smartphone eröffnet innerhalb von Sekunden den Zugang zu einer Welt, für die gerade jüngere Kinder noch gar nicht gewappnet sein können“, erklärte Fühner. „Kinderschutz muss deshalb heute selbstverständlich auch digitaler Kinderschutz sein.“

Fühner erneuerte in diesem Zusammenhang seine Forderung nach landesweit verbindlichen Regeln für private Smartphones an Schulen. An Grundschulen sowie im Sekundarbereich I sollten private Smartphones während des Schulalltags grundsätzlich nicht genutzt werden dürfen. Pädagogisch begründete Ausnahmen müssten dabei selbstverständlich möglich bleiben.

„Ich habe wenig Verständnis dafür, dass Niedersachsen noch immer keine klare landesweite Regelung geschaffen hat. Selbst die Kultusministerin sagt inzwischen, dass Handys in Grundschulen und den unteren Jahrgängen der weiterführenden Schulen nichts zu suchen haben. Dann muss daraus aber auch eine verbindliche Konsequenz folgen“, so Fühner. „Wir können diese Verantwortung nicht weiterhin auf jede einzelne Schule oder die Eltern abwälzen. Schulleitungen und Lehrkräfte brauchen Klarheit und Rückendeckung und ein Signal in die Elternhäuser.“

Auch aus dem Publikum sei deutliches Unverständnis darüber geäußert worden, warum entsprechende Regeln bislang nicht umgesetzt worden seien. Fühner verwies darauf, dass es dabei ausdrücklich nicht um eine Abkehr von digitaler Bildung gehe: „Wir wollen moderne digitale Schulen. Aber digitales Lernen und die permanente private Smartphone-Nutzung sind zwei völlig unterschiedliche Dinge. Schule muss auch ein Ort sein, an dem Kinder miteinander sprechen, spielen, diskutieren und Konflikte austragen – ohne ständig auf einen Bildschirm zu schauen.“

Müller unterstrich ebenfalls die Bedeutung smartphonefreier Räume im Schulalltag. Gleichzeitig müsse der Schutz von Kindern weit darüber hinausgehen. Medienkompetenz müsse systematisch vermittelt werden, Schulen benötigten Ansprechpartner für Probleme in sozialen Medien und auch Eltern müssten stärker dafür sensibilisiert werden, welchen Inhalten ihre Kinder im Netz begegnen können.

Für Fühner ergibt sich daraus ein klarer politischer Auftrag: „Ein Handyverbot allein löst die Probleme nicht. Wir brauchen einen Dreiklang aus klaren Grenzen, echter Medienbildung und einer stärkeren Verantwortung der Erwachsenen. Schule kann das nicht alleine leisten. Elternhaus, Politik, Plattformbetreiber und Gesellschaft stehen genauso in der Pflicht.“

Besonders wichtig sei es, bei allen Debatten die Perspektive der Kinder in den Mittelpunkt zu stellen. „Wir reden viel darüber, was technisch möglich ist. Wir müssen viel stärker darüber reden, was Kindern guttut und was sie für eine gesunde Entwicklung brauchen“, betonte Fühner.

Zum Abschluss dankte Fühner Silke Müller für die offene und intensive Diskussion sowie dem Franziskusgymnasium für die Gastfreundschaft. „Das neue Forum war ein hervorragender Ort für diesen Austausch. Der Abend hat gezeigt, wie groß der Gesprächsbedarf ist – und dass wir beim Schutz unserer Kinder in der digitalen Welt deutlich entschlossener handeln müssen.“

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