Artenschutzpreis der Stadt Nordhorn – Hauptpreis für Projekte rund um das Gut Klausheide

Nordhorn (pm). Zum bereits fünften Mal hat die Stadt Nordhorn kürzlich ihren Artenschutzpreis verliehen. Insgesamt 15.000 Euro wurden an engagierte Einzelpersonen, Vereine, Schulen und Unternehmen vergeben, die sich in herausragender Weise für den Schutz der Artenvielfalt in Nordhorn einsetzen. Das größte Preisgeld in Höhe von 6.000 Euro erhält der AWO Kreisverband Grafschaft Bentheim für die zahlreichen Artenschutzmaßnahmen rund um das Gut Klausheide.
Phil Gerdes
Bürgermeister Thomas Berling (r.), Stadtbaurätin Milena Schauer (2.v.l.) und der Umweltbeauftragte Gerwin Rademaker (l.) beglückwünschten die Preisträgerinnen und Preisträger. (Foto: Stadt Nordhorn)

Die Preisverleihung fand in der Parkanlage des Guts statt und wurde von Bürgermeister Thomas Berling, Stadtbaurätin Milena Schauer und dem städtischen Umweltbeauftragten Gerwin Rademaker vorgenommen. Uwe Scholz, Bewohner der Einrichtung, nahm den Preis gemeinsam mit AWO-Mitarbeiter Martin Schevel entgegen. Er zeigte sich insbesondere über die Höhe des Preisgelds sichtlich überrascht: „Ich bin ganz baff, da kann ich ja jetzt noch ganz viele weitere Dinge umsetzen, die ich mir schon überlegt habe“.

Scholz ist die treibende Kraft hinter den Maßnahmen für den Natur- und Artenschutz, die in den vergangenen Jahren auf dem weitläufigen Gelände des Guts umgesetzt wurden. Gemeinsam mit weiteren Bewohnerinnen und Bewohnern sowie den Mitarbeitenden hat er unter anderem eine „Garten-Arche“ angelegt. Dieser Bereich des Parks ist bewusst auf die Förderung der Artenvielfalt ausgelegt. Käfermeiler, Benjeshecken, Totholzhaufen, Trockenmauern und Wildblumenwiesen bieten einen ungestörten Lebensraum für Tiere und Pflanzen.

Darüber hinaus wurden ein Wanderwegekonzept und eine Beschilderung entwickelt, damit Interessierte die Natur auf dem Gut erleben und sich informieren können. Scholz bietet gerne Führungen an die Vorzüge der Maßnahmen näher zu erläutern. Dazu können sich Interessierte direkt beim Gut Klausheide melden und einen Termin vereinbaren.

„Das ist Artenschutz mit sozialem Mehrwert und darum absolut preiswürdig“, stellte Stadtbaurätin Milena Schauer in ihrer Laudatio fest. Die Stadt Nordhorn freue sich bereits darauf zu sehen, wie der Artenschutz auf dem Gelände weiter entwickelt werde.

Umweltbeauftrager Gerwin Rademaker (r.) gratulierte (v.l.) Bewohner Jörg Hübner, Mitarbeiter Martin Schevel und Bewohner Uwe Scholz vom Gut Klausheide zum höchsten Preisgeld des diesjährigen Artenschutzpreises. (Foto: Stadt Nordhorn)

In der Kategorie Vereine wurden zwei weitere Preise vergeben, jeweils dotiert mit 750 Euro. Einer davon ging an Silas Suntrup vom NABU Grafschaft Bentheim für die kostenlosen „Dracula Nächte“ zur Fledermausbeobachtung und die Installation von Nisthilfen für Fledermäuse.

Den anderen Preis erhielten die NaturFreunde Deutschlands, Kinder- und Jugendgruppe Nordhorn und Umgebung. Sie wurden für ihre zahlreichen Projekte ausgezeichnet, die sie mit Kindern und Jugendlichen sowie Schulklassen an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet durchgeführt haben. Dazu zählen unter anderem Pflanzaktionen, der Bau von Nisthilfen sowie praxisbezogene Umwelt- und Klimabildung.

Unternehmen mit vorbildlichen Beiträgen

In der Kategorie Unternehmen teilen sich die Firma Averes und die Lindschulte Ingenieurgesellschaft den ersten Preis und erhalten jeweils 1.000 Euro. Beide haben an ihren Firmensitzen unter anderem eine Dachbegrünung installiert sowie Beete und Grünstreifen für Wildblumen und Stauden angelegt. „Sie haben ökologische Hotspots in sonst stark versiegelten Gewerbegebieten geschaffen und leisten damit einen vorbildlichen Beitrag zum Artenschutz“, sagte der Umweltbeauftragte Gerwin Rademaker.

Der dritte Preis in der Kategorie Unternehmen ging an den Tierpark Nordhorn für sein Projekt zur Förderung der Igelpopulation. Dieses wurde vorrangig von Auszubildenden des Tierparks umgesetzt. Als Preisgeld gibt es dafür 750 Euro.

Zwei Schulen erhielten ebenfalls den Artenschutzpreis: Die Grundschule am Roggenkamp erhält 1.000 Euro Preisgeld für ihre Aktionen zum Bau von Nisthilfen und eines Insektenhotels. An der Altendorfer Grundschule wurde unter dem Motto „von Grau zu Grün“ mit der Umgestaltung und Entsiegelung des Schulhofs begonnen und das Schulwäldchen zu einem grünen Klassenzimmer umfunktioniert. Das Preisgeld beträgt hier 250 Euro.

Vielfältige Privatgärten ausgezeichnet

Bei der Präsentation der Beiträge in der Kategorie Privatpersonen wurde deutlich, wie viel Artenschutz im heimischen Garten möglich ist. Den ersten Preis mit einem Preisgeld in Höhe von 1.500 Euro erhält die Familie Hempen. Seit ihrem Einzug im Jahr 2017 hat die Familie ihren Garten Schritt für Schritt zu einem Naturgarten umgewandelt. Rund 250 Quadratmeter Zierrasen sind bereits einer extensiv angelegten Wiese gewichen.

Es gibt unterschiedlich strukturierte ökologische Nischen, in denen ausschließlich heimische Gewächse zu finden sind, von Brombe über Giersch, Wildblumen und Stauden bis hin zur Kornelkische. Das Flachdach wurde ebenfalls begrünt und Totholzhaufen und Benjeshecke bieten Lebensraum für kleine Tiere und Insekten.

Ähnlich naturnah präsentiert sich heute das Grundstück der Familie Cöper. Sie hat unter anderme eine Obstwiese mit sechs Obstbäumen und weiteren Obststräuchern angelegt, Nisthilfen und eine Totholzhecke angelegt. Geplant ist die Begrünung der Sichtschutzwände. Dafür gab es von der Jury den zweiten Preis und ein Preisgeld in Höhe von 1.250 Euro.

Der drittplatzierte Privatgarten gehört Matthias Schrader. Er hat seinen Hausgarten im Neubaugebiet Deegfeld von Vorneherein naturnah angelegt. Eine ausschließlich insektenfreundliche Bepflanzung, Totholzinseln und ein Sandarium bieten vielen Arten einen Lebensraum. Für diesen Beitrag gibt es ein Preisgeld von 750 Euro.

Alle Geehrten waren im Anschluss an die Preisverleihung eingeladen, sich im Park des Guts Klausheide auszutauschen und zu vernetzen. Die Mitarbeitenden und Bewohner des Guts sorgten mit Getränken und Gegrilltem für Sommerfest-Atmosphäre. „Die Preisträgerinnen und Preisträger sind wichtige Multiplikatoren für den Artenschutz und den Naturschutz. Sie miteinander zu vernetzen und ihre Projekte bekannt zu machen ist der Stadt Nordhorn ein wichtiges Anliegen“, sagte Bürgermeister Thomas Berling.

Der Artenschutzpreis zielt darauf ab, Vorhaben zu fördern, die einen Vorbildcharakter für den Artenschutz in Nordhorn haben und insbesondere dem Rückgang von Tier- und Pflanzenarten entgegenwirken. Bewerben konnten sich alle Bürgerinnen und Bürger, Schulklassen, Kindergartengruppen, Vereine, Unternehmen und Organisationen, deren Artenschutz-Aktivitäten einen Bezug zu und Nutzen für Nordhorn erkennen lassen.

Die Preisgelder sind zweckgebunden und müssen wieder in neue Arten- oder Naturschutzprojekte investiert werden. Die Bewerbungen wurden von einer Jury bewertet, die aus dem Bürgermeister, der Stadtbaurätin, dem Umweltbeauftragten sowie Vertreterinnen und Vertretern des Stadtrats besteht. Die Stadt Nordhorn plant, den Preis auch in diesem Jahr wieder auszuschreiben.

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