Überregionales Traumanetzwerktreffen im Ludmillenstift Meppen stärkt die Verstärkung schwerverletzter Menschen

Meppen (pm). Wie kann die Versorgung schwerverletzter Menschen in der Region auch bei besonders schweren Unfällen, größeren Schadenslagen oder einer außergewöhnlich hohen Zahl von Verletzten zuverlässig funktionieren? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigten sich Vertreterinnen und Vertreter der regionalen Krankenhäuser, des Rettungsdienstes, der niedergelassenen Medizin und weiterer Einrichtungen beim Qualitätszirkel des regionalen Netzwerktreffen des Traumanetzwerk Nordwest.
Phil Gerdes
Vor Kurzem fand im Ludmillenstift Meppen ein Traumanetzwerktreffen zur Versorgung schwerverletzter Personen statt. (Foto: Ludmillenstift Meppen)

Das Traumanetzwerk Nordwest besteht seit 2007 und hat es sich zum Ziel gemacht, die Versorgung schwerverletzter Patientinnen und Patienten über die Grenzen einzelner Krankenhäuser hinweg bestmöglich zu organisieren. Entscheidend ist dabei eine enge Zusammenarbeit, denn im Notfall muss schnell klar sein, welche Klinik welche Behandlungsmöglichkeiten und Kapazitäten zur Verfügung hat und wo schwerverletzte Patientinnen und Patienten die bestmögliche medizinische Versorgung erhalten.

„Bei schweren Verletzungen zählt jede Minute. Ein funktionierendes Netzwerk sorgt dafür, dass der Patient oder die Patientin zur richtigen Zeit am richtigen Ort behandelt wird.“, betont Dr. Frank Jarminowski, Oberarzt in der Abteilung für Orthopädie, Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie im Ludmillenstift. Das Ludmillenstift Meppen ist als überregionales Traumazentrum ausgezeichnet. Unter der Leitung von Chefarzt Dr. Kai Günsche (Klinik für Orthopädie, Unfall-, Hand- und Wiederherestellungschirurgie werden jährlich rund 130 Polytraumafälle behandelt.

Wie wichtig eine gut abgestimmte Schwerverletztenversorgung für die Region ist, zeigen auch die aktuellen Zahlen. Im Rahmen des Treffens wurde der Jahresbericht 2025 der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie vorgestellt. Besonders deutlich zeigt sich die Bedeutung der regionalen Zusammenarbeit bei den Verlegungen: Im Vergleich zum Vorjahr wurden 30 Prozent der Patientinnen und Patienten aus anderen Einrichtungen in das Ludmillenstift zuverlegt. Das unterstreicht die Funktion des Traumanetzwerks als regionales Bindeglied zwischen den verschiedenen Versorgungsstufen.

Im Mittelpunkt des Treffens standen der interdisziplinäre Austausch, die gemeinsame Analyse von Verlegungsmustern zur Optimierung der Versorgung Schwerverletzter sowie der Vortrag „Von der Nadeldekompression bis zur Clamshell-Thorakotomie“ von Chefarzt Dr. Clemens Ertner (Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie im Ludmillenstift). Darüber hinaus wurden aktuelle Entwicklungen in der Zentralen Notaufnahme sowie die weitere Zusammenarbeit der Netzwerkpartner thematisiert.

Ein besonderer Blick galt in diesem Jahr der Frage, wie die bestehenden Strukturen auch für größere Krisen und außergewöhnliche Belastungssituationen weiterentwickelt werden können. Grundlage dafür ist das aktuelle Konzept der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) zur traumatologischen Versorgung in Katastrophe, Krise und Krieg (3K).

Die zentrale Botschaft lautet dabei: Es sollen keine neuen Parallelstrukturen geschaffen werden. Vielmehr sollen die bestehenden Traumanetzwerke ertüchtigt und noch widerstandsfähiger gemacht werden. Dazu gehören unter anderem klare Kommunikations- und Verlegungswege, verlässliche Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner rund um die Uhr, regelmäßige Übungen sowie eine genaue Kenntnis darüber, welche Behandlungsmöglichkeiten und Kapazitäten in den beteiligten Kliniken vorhanden sind.

Gerade für die Bevölkerung ist dies von unmittelbarer Bedeutung. Denn dieselben Strukturen, die bei einer außergewöhnlichen Großschadenslage funktionieren müssen, sind auch im normalen Alltag entscheidend: bei schweren Verkehrsunfällen, Arbeitsunfällen, Stürzen oder anderen lebensbedrohlichen Verletzungen. Die Weiterentwicklung des Traumanetzwerks dient damit nicht nur der Vorbereitung auf seltene Großereignisse. Sie stärkt die medizinische Versorgung insgesamt.

Das Konzept der DGU sieht vor, die bewährten Strukturen so weiterzuentwickeln, dass sie im Alltag effizient, in einer Krise funktionsfähig und auch bei einer länger andauernden außergewöhnlichen Belastung durchhaltefähig bleiben. Dazu gehören unter anderem eine verlässliche Kommunikation, abgestimmte Patientenwege, qualifizierte Fachkräfte und regelmäßige Übungen.

Für die Menschen in der Region bedeutet das vor allem eines: Wenn es darauf ankommt, soll die medizinische Versorgung auch unter schwierigen Bedingungen funktionieren. Das Ziel bleibt dabei unverändert: Schwerverletzte Menschen sollen schnellstmöglich die Behandlung erhalten die sie benötigen. Die Traumanetzwerke schaffen hierfür die notwendigen Verbindungen zwischen Krankenhäusern, Rettungsdienst und weiteren medizinischen Partnern. Der regelmäßige Austausch sorgt dafür, dass Abläufe überprüft, Erfahrungen ausgetauscht und Strukturen kontinuierlich verbessert werden können.

Die positive Resonanz und das Engagement der Anwesenden während der Veranstaltung, unterstreichen die Bedeutung solcher Netzwerktreffen für die kontinuierliche Verbesserung der medizinischen Versorgung und für die Förderung des fachlichen Austauschs. 

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