Lingen – Bewegender Besuch aus den USA: Nachfahren der Familie Joseph im Historischen Rathaus empfangen

Lingen (pm). Auf den Spuren ihrer von den Nationalsozialisten verfolgten Familie sind Heidi Joseph und ihr Ehemann David Saltzman aus den USA erstmals nach Lingen gereist. Der Besuch führte sie an zentrale Orte der Erinnerung und machte die Geschichte ihrer Familie auf eindrückliche Weise erfahrbar. Am Dienstag wurden sie im Historischen Rathaus von Lingens Erstem Bürgermeister Stefan Heskamp offiziell empfangen.
Fabian Brand
Die Nachfahren der Familie Joseph wurden im Historischen Rathaus empfangen. (Foto: Stadt Lingen)

In seiner Ansprache betonte Heskamp die besondere Bedeutung dieses Moments: „Sie kehren an einen Ort zurück, der untrennbar mit Ihrer Familiengeschichte verbunden ist.“ Die Geschichte der Familie Joseph sei Teil der Lingener Stadtgeschichte; geprägt von Aufbau und Gemeinschaft, aber auch von Verfolgung, Deportation und Ermordung während der Zeit des Nationalsozialismus.

Eine enge familiäre Verbindung nach Lingen besteht auch über Henriette Flatow, die Cousine von Josephs Großvater. An ihr Schicksal erinnern heute ein Stolperstein sowie eine nach ihr benannte Straße im Stadtgebiet.

Bewegt von den Eindrücken ihres Aufenthalts sagte Heidi Joseph: „Dieser Besuch bewegt mich sehr. Es sind die Orte, aber vor allem auch die Menschen, denen wir begegnen.“ Besonders die herzliche Aufnahme habe sie beeindruckt: „Wir wussten nicht, was uns erwartet. Dass wir hier so offen und herzlich empfangen werden, ist eine sehr positive Erfahrung für uns. Wir fühlen uns sehr willkommen.“ Auch die gelebte Erinnerungskultur in Lingen habe einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Große Dankbarkeit äußerte sie gegenüber dem Forum Juden-Christen Altkreis Lingen e.V., der den Besuch organisiert hatte: „Diese Arbeit ist unglaublich wertvoll und lebensverändernd. Ich hoffe sehr, dass dieses Engagement weitergetragen wird.“

Begleitet wurden die Gäste von Simon Göhler, Vorsitzender des Forums Juden-Christen, seinem Stellvertreter Dr. Walter Höltermann sowie Mitglied Claudia Meinert. Göhler würdigte den Besuch als besonderes Zeichen des Vertrauens und als große Ehre für die Stadt. Der Empfang im Historischen Rathaus unterstreiche die Verantwortung Lingens für seine Geschichte und die Bedeutung einer lebendigen Erinnerungskultur.

Während ihres Aufenthalts besuchten Heidi Joseph und David Saltzman zentrale Erinnerungsorte, darunter den Jüdischen Friedhof, das Emslandmuseum sowie den Lern- und Gedenkort Jüdische Schule. Auch das Krankenhaus als wichtiger Ort der Familiengeschichte sowie die Henriette-Flatow-Straße standen auf dem Programm.

Nach ihrem Aufenthalt in Lingen reisen sie weiter nach Berlin und anschließend nach Krakau, wo auch ein Besuch der Gedenkstätte Auschwitz geplant ist. „Es wird hart, aber wir wissen, dass wir dort nicht allein sind. Es ist wichtig, diesen Weg zu gehen“, so Joseph.

Ein besonderer Dank galt zudem Herbert Joseph, dem Vater von Heidi Joseph, der maßgeblich zur Errichtung eines Gedenksteins für die jüdischen Familien in Lingen beigetragen hat. Als Zeichen des Erinnerns erhielten die Gäste im Rathaus das Buch „Lingen im Nationalsozialismus“ sowie ein Tonmodell des Historischen Rathauses.

„Der Besuch zeigt eindrücklich, wie wichtig persönliche Begegnungen für eine lebendige Erinnerungskultur sind und wie sie Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlagen“, waren sich alle einig.

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