Gedenkstätte Esterwegen – Neuer Sammelband: Frühe Konzentrationslager im „Dritten Reich“

Esterwegen (pm). Die frühen Konzentrationslager waren das zentrale Terrorinstrument bei der Durchsetzung und Machtsicherung der NS-Herrschaft. Über 100 von ihnen entstanden ab 1933 im Deutschen Reich. Nun ist dazu der neue Sammelband „Durchsetzung der Diktatur. Frühe Konzentrationslager im Nationalsozialismus“ erschienen, der auf Initiative der Gedenkstätte Esterwegen entstanden ist.
Phil Gerdes
Sebastian Weitkamp (Redaktion) und Kathrin Flor (Korrektorat) freuen sich über die neue Publikation der Gedenkstätte Esterwegen. (Foto: Anne Vähning)

Das NS-Regime erprobte in den frühen Konzentrationslagern massenhafte Inhaftierungen und Anwendungen von Gewalt. Manche Lager wurden nach wenigen Wochen wieder aufgelöst, andere bestanden über Jahre und bildeten die Basis für das spätere KZ-System der SS. Nicht wenige SS-Männer begannen ihren Dienst in den frühen Konzentrationslagern und setzten ihn später in den Stamm- und Außenlagerkomplexen sowie den Vernichtungslagern des Zweiten Weltkriegs fort. Für viele Häftlinge war die Haft in den frühen Lagern der Beginn jahrelanger Verfolgung.

„Die Geschichte dieser frühen Lager veranschaulicht, wie sich die Zerstörung der Demokratie und die Etablierung der nationalsozialistischen Diktatur schrittweise vollzogen. Es waren Labore der Gewalt“, so Mitherausgeber Sebastian Weitkamp.

Zu den frühen Konzentrationslagern gehörten auch die Lager Esterwegen, Börgermoor und Neusustrum im Emsland. Es waren die ersten am Reißbrett geplanten KZ in Barackenbauweise im Deutschen Reich. Etwa 4.000 Menschen waren hier inhaftiert und wurden zur Zwangsarbeit im Moor eingesetzt. Ihre Geschichte wird ebenfalls in dem Band erzählt.

Die AG „Gedenkstätten an Orten früher Konzentrationslager“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichte dieser Lager sichtbarer zu machen. In ihr arbeiten aktuell 19 Gedenkeinrichtungen aus zwölf Bundesländern zusammen. Im Auftrag der AG haben Sebastian Weitkamp (Gedenkstätte Esterwegen), Christoph Thonfeld (Gedenkstätte Dachau), Agnes Ohm (Gedenkstätte Sachsenhausen) und Nicola Wenge (Gedenkstätte Oberer Kuhberg Ulm) den nun vorliegenden Sammelband herausgegeben, in dem die Autorinnen und Autoren die Geschichten von 19 frühen Lagern darstellen und neue Forschungserkenntnisse zusammenfassen.

Ergänzt wird der Band durch einen Beitrag von Jens-Christian Wagner sowie zwei Rahmenbeiträge über die Rolle der frühen Lager im Nationalsozialismus (Frédéric Bonnesoeur) und deren spätere Erinnerungsgeschichte in Ost- und Westdeutschland (Thomas Lutz).

Der Sammelband ist ab sofort in der Gedenkstätte Esterwegen und im Buchhandel für 28 € erhältlich: „Durchsetzung der Diktatur. Frühe Konzentrationslager im Nationalsozialismus“, herausgegeben von Sebastian Weitkamp, Christoph Thonfeld, Agnes Ohm und Nicola Wenge, Wallstein Verlag Göttingen 2026, Schriftenreihe der Gedenkstätte Esterwegen Band 6, 512 Seiten, ca. 30 Abb., ISBN 978-3-8353-6055-6.

Online-Link: https://www.wallstein-verlag.de/9783835360556-durchsetzung-der-diktatur.html


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