Studierende vom Campus Lingen entwickeln Prototypen zum geruchsfreien Wechsel von Stoma-Beuteln

Lingen (pm). Wie können Menschen mit einem künstlichen Darmausgang, einem so genannten Stoma, ihren Beutel diskret, hygienisch und möglichst geruchsfrei wechseln und entsorgen? Mit dieser praxisnahen Fragestellung haben sich Studierende des vierten Fachsemesters Allgemeiner Maschinenbau am Campus Lingen der Hochschule Osnabrück intensiv auseinandergesetzt.
Phil Gerdes
Einige Studierende der Projektteams im Modul „Technische Produktentwicklung“ präsentieren ihre jeweiligen Prototypen zum geruchsfreien Wechsel von Stomabeuteln. (Foto: Hochschule Osnabrück)

Im Modul „Technische Produktentwicklung“ unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Jürgen Adamek entwickelten sie mit Studierenden des Wirtschaftsingenieurwesens und in enger Zusammenarbeit mit dem Team des dualen Studiengangs Pflege innovative Lösungsansätze. Diese wurden nun in einer Abschlusspräsentation vorgestellt.

Ausgangspunkt des Projekts war eine konkrete Anregung aus der pflegerischen Praxis. Rena Diepen, wissenschaftliche Mitarbeiterin im dualen Studiengang Pflege, machte auf die Schwierigkeiten für Patientinnen und Patienten aufmerksam, die beim Wechsel und der Entsorgung von Stoma-Beuteln entstehen können. Ziel war es, technische Hilfsmittel zu entwickeln, die Geruchsbelastungen reduzieren, eine hygienische Handhabung ermöglichen und zugleich alltagstauglich sowie wirtschaftlich umsetzbar sind.

Besondere Herausforderung für angehende Ingenieure

„Für uns war das Thema zunächst Neuland. Dennoch haben wir uns dieser Herausforderung sehr gerne angenommen“, so Adamek. „Gerade solche praxisnahen Fragestellungen zeigen, wie wertvoll interdisziplinäre Zusammenarbeit ist.“ Insgesamt arbeiteten drei Teams mit jeweils fünf bis sechs Studierenden an der Aufgabenstellung. Bevor die eigentliche Entwicklung begann, analysierten die Gruppen bestehende Produkte, führten Markt- und Patentrecherchen durch und definierten die Anforderungen an ihre Konzepte.

Für die angehenden Ingenieure stellte die Aufgabenstellung eine besondere Herausforderung dar. „Statt klassischer maschinenbaulicher Anwendungen haben wir uns zum ersten Mal mit einem medizinischen Produkt beschäftigt“, berichtete ein Team.

Verschiedene Lösungsansätze

Entsprechend unterschiedlich fielen auch die Lösungsansätze aus. Das erste Team präsentierte ein innovatives Zwei-Kammer-System, das den Wechsel des Stoma-Beutels in einer geschlossenen Umgebung ermöglicht. Durch integrierte Handschuhe kann der Wechselvorgang durchgeführt werden, ohne dass Gerüche ungehindert in die Umgebung gelangen. Besonderes Augenmerk legte das Team auf eine sichere Abdichtung, hohen Tragekomfort und eine hautfreundliche Konstruktion.

Das zweite Team entwickelte mit „Clean Bag“ und „Clean Dock“ ein mobiles Entsorgungssystem, das insbesondere für unterwegs geeignet ist. Die Lösung kommt ohne externe Energiequellen aus und kombiniert einen Entsorgungsrucksack mit speziellen Verschlussmechanismen und geruchsreduzierenden Zusätzen. Dabei standen Nachhaltigkeit, Umweltfreundlichkeit und eine möglichst einfache Handhabung im Vordergrund.

Drei Studierendengruppen stellten kürzlich ihre innovativen Prototypen im Modul “Technische Produktentwicklung” unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Jürgen Adamek am Campus Lingen vor. (Foto: Hochschule Osnabrück) 

Das dritte Team konzentrierte sich auf eine benutzerfreundliche Handhabung und eine sichere Entsorgung. Mithilfe eines Adapterrings können die Beutel einfach abgenommen und anschließend in einer verschließbaren Tasche mit Tragegurt verstaut werden. Ein leicht bedienbarer Verschluss sowie eine stabile Verschraubung sorgen für eine geruchsdichte Aufbewahrung. Durch seine besonders flache Bauweise lässt sich das System unauffällig tragen und unterstützt so eine diskrete Nutzung im Alltag.

Eröffnung neuer Perspektiven

„Es waren unglaublich spannende Präsentationen mit verschiedenen Ansätzen, um die Lebensqualität der Stomaträgerinnen und Stomaträger zu verbessern. Daran sieht man, wie komplex die Herausforderung ist – und gleichzeitig, wie einfach manche Lösungen am Ende sein können. Gerade der Blick von außen und die Zusammenarbeit mit einer anderen Disziplin eröffnen oft völlig neue Perspektiven“, bilanzierte Diepen.

Zum Abschluss bedankte sich Adamek bei den Studierenden für ihre beeindruckenden Prototypen. Die Diskussionen hätten bereits gezeigt, welches Potenzial in diesem Thema stecke. Ob einzelne Konzepte künftig weiterentwickelt werden, ist derzeit noch offen. Denkbar sind weiterführende studentische Projekte oder auch Abschlussarbeiten, die auf den entwickelten Prototypen aufbauen.

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