Meppen – Neue Informationstafeln auf der Kriegsgräberstätte Fullen feierlich eingeweiht

Meppen-Fullen. Mit einer würdevollen Feierstunde sind am Montag die neuen Informations- und Erinnerungstafeln auf der Kriegsgräberstätte in Fullen offiziell eingeweiht worden.
Matthias Brüning
Vor zahlreichen Gästen wurden die neuen Erinnerungstafeln eingeweiht (Fotos: Matthias Brüning)

Die neuen Tafeln vermitteln Besucherinnen und Besuchern die Geschichte der Emslandlager sowie die Bedeutung der Kriegsgräberstätte Fullen. Ziel des Projektes ist es, den historischen Ort als außerschulischen Lernort weiter zu stärken und die Erinnerung an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft lebendig zu halten.

Die Feierstunde wurde durch mehrere musikalische Beiträge würdevoll umrahmt. Mit einfühlsamen Stücken auf einer Violine sorgte eine Schülerin für eine würdevolle Atmosphäre und unterstrich den Charakter der Gedenkveranstaltung

Nach der musikalischen Eröffnung begrüßten die Veranstalter die Gäste. Anschließend richtete Zbigniew Leszczynski, Vertreter des Landkreises Emsland und Partnerschaftsbeauftragter für die deutsch-polnische Zusammenarbeit, sein Grußwort an die Anwesenden. Er betonte die Bedeutung einer lebendigen Erinnerungskultur und hob hervor, wie wichtig internationale Verständigung und gemeinsame Verantwortung für die Bewahrung der Geschichte seien.

Martin Tecklenburg am Rednerpult (Foto: Matthias Brüning)

Es folgte das Grußwort des stellvertretenden Meppener Bürgermeisters Martin Tecklenburg, der die Grüße von Rat und Verwaltung der Stadt Meppen überbrachte. Er dankte insbesondere den Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Marianum für ihre engagierte und sorgfältige Arbeit. Mit ihrem Einsatz würden sie einen wichtigen Beitrag leisten, die Geschichte der Emslandlager für kommende Generationen verständlich und greifbar zu machen.

Nach weiteren Rednern und einem weiteren musikalischen Beitrag folgte das Grußwort von Dr. Martin Koers, Co-Leiter der Gedenkstätte Esterwegen. Er unterstrich die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Schule, Gedenkstätte und weiteren Projektpartnern, um historische Bildung nachhaltig zu fördern.

Dr. Martin Koers, Co-Leiter der Gedenkstätte Esterwegen (Foto: Matthias Brüning)

Enthüllung der Gedenktafeln 

Ein besonderer Moment der Veranstaltung war die feierliche Enthüllung der neuen Informationstafeln durch die Schülerinnen und Schüler. Im Anschluss präsentierten Mitglieder der Klasse 11a sowie der Arbeitsgruppe der Klasse 10a ihre Projektarbeit und gaben Einblicke in den Entstehungsprozess der Tafeln.

Die Erinnerungstafeln wurden von zwei Schülerinnen des Gymnasium Marianum enthüllt (Foto: Matthias Brüning)

Dabei wurde auch an die Geschichte der Kriegsgräberstätte erinnert: Am 1. Dezember 1941 wurde dort die erste Person beerdigt. Die neuen Informationstafeln tragen dazu bei, die historischen Hintergründe des Ortes dauerhaft sichtbar zu machen und Besucherinnen und Besuchern fundierte Informationen über die Geschichte der Emslandlager und der dort bestatteten Opfer zu vermitteln.

Eine besondere Anerkennung erhielten die Schülerinnen und Schüler außerdem vom Busunternehmen Frericks. Als Dank für ihr außergewöhnliches Engagement stellte das Unternehmen die Busfahrt zwischen dem Gymnasium Marianum und der Kriegsgräberstätte Fullen kostenlos zur Verfügung. 

Beim anschließenden gemeinsamen Ausklang im Gymnasium Marianum nutzten die Gäste die Gelegenheit zum Austausch. Die Einweihung der neuen Informationstafeln zeigte eindrucksvoll, wie das Zusammenspiel von Schule, Gedenkstätte, öffentlichen Institutionen und regionalen Unternehmen dazu beitragen kann, die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus wachzuhalten und Geschichte für kommende Generationen erlebbar zu machen.

Die Kriegsgräberstätte liegt von Bäumen umgeben an der Weststraße in Fullen (Foto: Matthias Brüning)

Die Kriegsgräberstätte Fullen an der Weststraße 9 zählt zu den bedeutendsten Erinnerungsorten der Emslandlager. Sie entstand als Lagerfriedhof des ehemaligen Emslandlagers X Fullen und erinnert an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Heute ruhen dort 137 namentlich bekannte und rund 1.500 unbekannte sowjetische Kriegsgefangene, die infolge von Hunger, Krankheiten und Zwangsarbeit ums Leben kamen. Auch italienische Militärinternierte, die ab 1943 im Lager untergebracht waren und unter den unmenschlichen Bedingungen starben, fanden hier zunächst ihre letzte Ruhestätte, bevor ihre Gebeine in den 1950er-Jahren größtenteils umgebettet wurden. Die neue Informationstafel soll Besucherinnen und Besuchern die Geschichte dieses Ortes näherbringen und die Kriegsgräberstätte als wichtigen Lern- und Erinnerungsort stärken.

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