Kunstpreis der Stadt Nordhorn 2026 geht an Sarah Lehnerer

Nordhorn (pm). Sarah Lehnerer erhält den Kunstpreis der Stadt Nordhorn 2026. Der Preis wird seit 1979 jährlich an Künstlerinnen und Künstler vergeben, die aktuell durch ein frisches und überregional bedeutendes Werk auf sich aufmerksam gemacht haben.
Phil Gerdes
Sarah Lehnerer hat den diesjährigen Kunstpreis der Stadt Nordhorn gewonnen. (Foto: Studio Sarah Lehnerer)

Die Jury aus Vertreterinnen und Vertretern der Stadt Nordhorn sowie des Förderkreises der Städtischen Galerie Nordhorn würdigte Sarah Lehnerers künstlerische Arbeit, die medienübergreifend Fotografie, Druckgrafik, Plastik und Text mit besonderen künstlerischen Strategien, wie dem Journaling, der Recherche sowie einem über Jahre gewachsenen persönlichen Bildarchiv verbindet.

Im Mittelpunkt von Sarah Lehnerers bildnerischer Arbeit stehen Fotografien und Scans aus ihrem eigenen Alltag. Die Motive Körpersprache, Gesten und Berührung, aber auch Passagen aus aktuell gelesenen Büchern oder alltägliche Objekte. Auf dieser Grundlage entstehen großformatige, oft raumgreifende Druckarbeiten auf Seidenpapier. Zentrale Themen sind dabei reproduktive Arbeit, Care-Praktiken, biografische Einschreibungen und die gesellschaftlichen Strukturen, in die diese eingebettet sind.

In ihrem künstlerischen Schreiben beschäftigt sich Lehnerer mit feministischen Schreibstrategien, Erinnerungsprozessen sowie den Politiken der Polyphonie. Außerdem betreibt sie gemeinsam mit Benedikt Bock das Community-Projekt „Texte zum Nachdenken“, eine Plattform für Schreiben als künstlerische Praxis. Im Rahmen des Projekts organisieren sie Lesungen und Summer Schools, und sie bauen derzeit die erste Bibliothek zu diesem Themenfeld auf, die 2026 erstmals auf der Art Basel präsentiert wurde.

Sarah Lehnerer studierte Bildende Kunst in Hamburg und München, absolvierte den Masterstudiengang Critical Studies an der Akademie der bildenden Künste Wien und reichte 2025 ihre Dissertation zum Thema „Writing as Artistic Practice“ an der HFBK Hamburg ein. Seit 2018 unterrichtet sie regelmäßig an diversen Kunsthochschulen und hatte Lehraufträge unter anderem in den Bereichen Malerei, Neue Medien und Schreiben als künstlerische Praxis.

Sie erhielt zahlreiche Preise, Stipendien und Residenzen, darunter die Förderung der Studienstiftung des deutschen Volkes, das Karl-Schmidt-Rottluff-Stipendium sowie Aufenthalte an der Akademie Schloss Solitude und der Casa Lü (CDMX). Ihre Arbeiten wurden international in Galerien und Institutionen gezeigt, darunter Manifesta 12, State of Concept, Athen, mumok, ZKM | Zentrum für Kunst und Medien, die Biennale für Freiburg, der Kunstverein Göttingen, der Kunstverein Wasserburg und der Neue Essener Kunstverein.

Der Kunstpreis ist mit einem Preisgeld von 4.500 Euro verbunden, und die Städtische Galerie Nordhorn wird anlässlich der Preisverleihung im März 2027 eine Einzelausstellung mit Sarah Lehnerer zeigen. Zur Ausstellung erscheint außerdem eine Publikation.

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