8.000 hoffen auf neues Organ – „Radtour pro Organspende“ radelte durch Emsland und Ostfriesland

Papenburg/Leer (pm). Jeden Tag sterben in Deutschland drei Menschen, weil für sie kein lebensrettendes Spenderorgan zur Verfügung steht. Diese Statistik ist ein Armutszeugnis für Deutschland. 36 Radler und Radlerinnen haben jetzt auf ihrer einwöchigen „Radtour pro Organspende“ u.a. am Bonifatius Hospital Lingen, Marien Hospital Papenburg, Klinikum Leer und Krankenhaus Wittmund Station gemacht, um Danke zu sagen. Denn in allen Hospitälern werden lebensrettende Organe entnommen.
Phil Gerdes
Das große Radteam machte auch vor dem Marien Hospital Papenburg-Aschendorf Station. (Foto: Wachstumsregion Ems-Achse)

Ein Teil der Strecke über 507 Kilometer radelte Nina Becher mit. Die Mitarbeiterin der Wachstumsregion Ems-Achse begleitete ihre Eltern. Ihr 65-jähriger Vater Thomas Becher war fünf Jahre lang Dialysepatient. „Am 09. Juni 2021 erhielt ich endlich die ersehnte Spenderniere. Es ist mein zweiter Geburtstag.“ Viele seiner Freunde und Bekannten machen sich keine Gedanken über das Thema „Organspende“.

Umso bedeutender ist, dass die Krankenhäuser Patienten und Angehörige aufklären. „Wir wollen mit unserer Radtour gerade den Beschäftigten in den Krankenhäusern zeigen, wie wichtig ihre Arbeit rund um Organspenden ist.“

Im Namen des Marien Hospitals sagte der Ärztliche Direktor, Dr. Ludger Kämmerling beim Empfang des Radteams. „Wir freuen uns, dass es ihnen so gut geht.“ Er ist zugleich Transplantationsbeauftragter in Papenburg. Auch wenn Organentnahmen in Krankenhäusern der Grund- und Regelversorgung wie Papenburg nicht häufig vorkommen, werde jedoch täglich geschaut, ob Patienten als Spender in Frage kommen.

Radler-Sprecher Peter Kreilkamp wies darauf hin, dass in Deutschland zurzeit rund 8000 Menschen auf eine Organspende warten. Das sei für viele eine „dramatische und lebensbedrohliche Situation“. Die Teilnehmer wollen mit der bereits 18. Radtour, organisiert durch den Verein TransDia Sport Deutschland“, für die Bereitschaft zur Organspende werben. „Uns Teilnehmern wurden durch Spenderorgane insgesamt bereits 234 Lebensjahre geschenkt“, sagt Kreilkamp, darunter vier Radler bzw. Radlerinnen mit neuen Herzen und Lungen.

Auch am Klinikum Leer machten die Radler Halt, um den Beschäftigten zu danken. Die Mitarbeitenden erhielten wie in Papenburg erhielten ebenfalls Urkunden und Medaillen. „Noch immer wird in Deutschland zu wenig über die persönliche Einstellung zur Organspende gesprochen. Häufig treffen die Menschen keine Entscheidung, weil ihnen die Informationen fehlen“, weiß Klaus Kogelmann, Transplantationsbeauftragter und Oberarzt der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin am Klinikum Leer.

Urkunden und Medaillen überreichten Peter Kreilkamp (von rechts) und Stefan Endrich an den Ärztlichen Direktor Dr. Ludger Kämmerling und Beate Janssen (stellv. Pflegedirektorin). (Foto: Wachstumsregion Ems-Achse)

„Umso wichtiger sind Aktionen wie diese, um in der Bevölkerung mehr Bewusstsein für das Thema zu schaffen. Denn eine dokumentierte Entscheidung – unabhängig davon, ob sie für oder gegen eine Organspende ausfällt – schafft Klarheit für Angehörige und medizinisches Personal.“

Karl-Josef Laumann, Gesundheitsminister in Nordrhein-Westfalen, ist Schirmherr der außergewöhnlichen Radtour. Er sagt: „Damit Menschen selber eine Entscheidung pro oder contra Organspende treffen, setze ich mich seit langem für die Einführung der Widerspruchslösung ein. Sie wäre ein klares gesellschaftliches Signal für die Organspende, da jeder als Organspender gilt, der nicht seinen Widerspruch erklärt. Damit wird der Anreiz gesetzt, eine Entscheidung zu treffen.“

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