„Ich wollte diese Ausbildung Mediator/in unbedingt nach Lingen holen.“

Lingen (pm). Die Volkshochschule Lingen bietet in diesem Jahr erstmals die gesetzlich geregelte Ausbildung zur Mediatorin beziehungsweise zum Mediator an. Möglich wurde das durch die Initiative der Nordhornerin Betina Jürgens.
Phil Gerdes
Die VHS Lingen bietet in diesem Jahr erstmals die gesetzlich geregelte Ausbildung zum/zur Mediator/in an. Möglich wurde das durch die Initiative der Nordhornerin Betina Jürgens. (Foto: VHS Lingen)

Die Heilpraktikerin für Psychotherapie, Mediatorin und langjährige Dozentin der VHS Lingen absolvierte die Ausbildung selbst und stellte den Kontakt zwischen der Volkshochschule und der KoViAk Akademie für Konflikt und Führungskompetenz her. Die Akademie führt die Ausbildung bereits seit 2010 erfolgreich durch und bringt ihre langjährige Erfahrung nun erstmals nach Lingen. Im Gespräch erzählt Betina Jürgens, warum ihr dieses Angebot so wichtig ist und weshalb Mediation heute wichtiger denn je ist.

Frau Jürgens, Sie hätten Ihre Ausbildung überall empfehlen können. Warum war es Ihnen so wichtig, sie ausgerechnet nach Lingen zu holen?

Weil ich überzeugt bin, dass unsere Region davon profitiert. Menschen wünschen sich heute mehr denn je einen konstruktiven Umgang mit Konflikten. Gleichzeitig fehlen oft die Werkzeuge, um schwierige Gespräche souverän zu führen. Ich wollte erreichen, dass Interessierte diese hochwertige Ausbildung direkt vor ihrer Haustür absolvieren können. Die Volkshochschule Lingen ist dafür ein starker Partner. Sie steht seit vielen Jahren für qualifizierte Erwachsenenbildung und genießt großes Vertrauen in der Region.

Sie begleiten seit vielen Jahren Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Warum spielt Mediation dabei für Sie eine so wichtige Rolle?

In meiner täglichen Arbeit erlebe ich, wie belastend ungelöste Konflikte sein können. Sie kosten Kraft, belasten Beziehungen und wirken sich oft sogar auf die Gesundheit aus. Mediation eröffnet einen anderen Weg. Sie bringt Menschen wieder ins Gespräch und schafft die Möglichkeit, gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln. Genau diese Haltung hat mich von Anfang an überzeugt. Sie ergänzt meine therapeutische Arbeit auf wunderbare Weise, weil sie den Blick nicht auf Schuld richtet, sondern auf Verantwortung und Zukunft.

Sie haben die Ausbildung selbst absolviert. Was hat Sie damals dazu bewogen?

Mich hat die Frage fasziniert, warum Konflikte manchmal eskalieren und warum andere Menschen scheinbar mühelos Brücken bauen können. Ich wollte nicht nur Methoden kennenlernen, sondern verstehen, was gute Kommunikation wirklich ausmacht. Die Ausbildung hat meinen Blick auf Menschen nachhaltig verändert. Ich höre heute anders zu, erkenne Bedürfnisse schneller und weiß, wie Gespräche auch in schwierigen Situationen wieder in Bewegung kommen können.

Viele denken bei Mediation zuerst an Scheidungen oder Nachbarschaftsstreitigkeiten. Ist das nicht ein sehr enges Bild? 

Ja, das greift viel zu kurz. Konflikte begegnen uns überall. In Unternehmen, Behörden, Schulen, Familien, Vereinen oder Teams. Mediation bedeutet weit mehr als einen Streit zu schlichten. Es geht darum, Menschen wieder miteinander ins Gespräch zu bringen und Lösungen zu entwickeln, die dauerhaft Bestand haben. Gerade in einer Zeit, in der Kommunikation immer schneller und oft oberflächlicher wird, ist diese Kompetenz von unschätzbarem Wert.

An wen richtet sich die Ausbildung?

Eigentlich an alle Menschen, die Verantwortung für Kommunikation übernehmen möchten. Führungskräfte, Personalverantwortliche, Lehrkräfte, Coaches, Menschen aus sozialen Berufen oder Selbstständige profitieren ebenso wie Menschen, die sich persönlich weiterentwickeln möchten. Man muss weder Juristin noch Psychologe sein. Entscheidend ist die Bereitschaft, Menschen verstehen zu wollen und Konflikte konstruktiv zu begleiten.

Was fragen sich Interessierte am häufigsten?

Ich denke, viele fragen sich: Kann ich das überhaupt? Meine Antwort lautet fast immer: Ja.

Niemand wird als Mediator geboren. Die Fähigkeiten entwickeln sich Schritt für Schritt. Genau dafür ist die Ausbildung da. Sie vermittelt nicht nur Wissen, sondern gibt den Teilnehmenden die Sicherheit, Gespräche professionell zu führen und auch in schwierigen Situationen handlungsfähig zu bleiben.

Was unterscheidet diese Ausbildung von einem Kommunikationstraining?

Ein Kommunikationstraining vermittelt häufig einzelne Techniken. Diese Ausbildung geht deutlich weiter. Sie verbindet Haltung, Methoden und intensive Praxiserfahrung. Die Teilnehmenden lernen Mediation nicht nur theoretisch kennen, sondern erleben sie in zahlreichen Übungen, Rollenspielen und Praxisfällen. Dadurch wächst mit jedem Modul das Vertrauen in die eigene Kompetenz.

Warum ist es wichtig, dass es sich um eine gesetzlich geregelte Ausbildung handelt?

Weil Qualität Vertrauen schafft. Die Ausbildung orientiert sich an den gesetzlichen Vorgaben der Zertifizierte Mediatoren Ausbildungsverordnung. Wer sie erfolgreich abschließt, verfügt über eine fundierte Qualifikation nach bundesweit anerkannten Standards. Das ist besonders für Menschen wichtig, die Mediation beruflich einsetzen oder sich ein weiteres Tätigkeitsfeld erschließen möchten.

Die Ausbildung wird von der KoViAk Akademie durchgeführt. Warum fiel Ihre Wahl auf diesen Partner?

Weil Erfahrung einen großen Unterschied macht. Die KoViAk Akademie bildet bereits seit 2010 zertifizierte Mediatorinnen und Mediatoren aus und hat inzwischen mehr als 67 Ausbildungsdurchgänge erfolgreich durchgeführt. Das Ausbildungskonzept wurde kontinuierlich weiterentwickelt und verbindet fachliche Qualität mit einer außergewöhnlich hohen Praxisorientierung. Genau diese Erfahrung wollte ich nach Lingen holen.

Was verändert sich bei Menschen, die diese Ausbildung absolvieren?

Viele berichten, dass sie Konflikte nicht mehr als Bedrohung erleben, sondern als Chance für Entwicklung. Sie führen Gespräche gelassener, hören bewusster zu und treffen klarere Entscheidungen. Das wirkt sich nicht nur im Beruf aus, sondern oft auch in der Familie, in Freundschaften und im eigenen Leben. Gute Kommunikation verändert nicht nur Gespräche. Sie verändert Menschen.

Warum empfehlen gerade Sie diese Ausbildung mit so großer Überzeugung?

Weil ich sie selbst erlebt habe. Ich weiß, wie fundiert sie aufgebaut ist und wie nachhaltig sie wirkt. Deshalb war es mir wichtig, diese Qualität nach Lingen zu holen. Gemeinsam mit der Volkshochschule und der KoViAk Akademie können wir nun eine Ausbildung anbieten, die fachliche Kompetenz, praktische Erfahrung und persönliche Entwicklung miteinander verbindet.

Was wünschen Sie sich, wenn Menschen dieses Interview gelesen haben?

Ich wünsche mir, dass sie sich eine einzige Frage stellen: Wie würde sich mein Leben verändern, wenn ich Konflikte nicht mehr vermeiden müsste, sondern souverän gestalten könnte?

Wer darauf neugierig geworden ist, sollte sich die Ausbildung näher ansehen. Gute Kommunikation ist kein Zufall. Sie ist eine Fähigkeit, die jeder Mensch lernen kann. Und vielleicht ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, damit zu beginnen.

Informationsveranstaltung

Am 25. August 2026 um 18:30 Uhr findet eine Informationsveranstaltung zur Ausbildung in Mediation online statt. Der Lehrgang startet am 18.09.26. Weitere Infos und Anmeldung unter www.vhs-lingen.de

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