Haren – Tag der offenen Tür in der Inselmühle – Spannender Blick hinter die Kulissen des Stadtarchivs

Haren (pm). Seit einigen Jahren beherbergt die Inselmühle in Haren das Dokumentationszentrum Haren/Maczków sowie das Archiv der Kommunalverwaltung der Schifferstadt. Anlässlich des deutschlandweiten „Tag des offenen Archivs“ lud das Haus der Harener Geschichte am 08. März zum Blick hinter die Kulissen ein. An diesem Tag konnten die sonst in den Magazinschränken verborgenen Schätze begutachtet werden und sich über die Arbeit und das Angebot des Stadtarchivs informiert werden.
Phil Gerdes
Am 08.03.2026 fand in der Inselmühle der Tag der offenen Tür statt. (Foto: Stadt Haren)

Historikerin Dr. Vanessa Görtz-Meiners hatte an diesem Nachmittag alle Hände voll zu tun. Über 100 Gäste folgten der Einladung, sich die Sammlung der Inselmühle anzuschauen und Fragen zur Harener Geschichte zu stellen. Die Leiterin des Stadtarchivs führte durch das Gebäude und erklärte die verschiedenen Aufgabenbereiche des Archivs.

„Wir freuen uns riesig über das große Interesse an unserer Arbeit“, sagte Görtz-Meiners. „Die Ausstellung über die Maczków-Zeit ist vielen bekannt und oft in den Medien präsent, doch die Arbeit des Stadtarchivs geschieht eher im Hintergrund.“ Nun öffnete die Inselmühle zu diesem Anlass ihre Türen, um Interessierten einen Einblick in ihre vielfältigen Tätigkeitsbereiche zu geben.

Haus voller Geschichten

Die Räume des Stadtarchivs verteilen sich auf die oberen Etagen, während das Erdgeschoss ganz im Zeichen der Ausstellung zu den drei polnischen Jahren Harens steht. Im Lesesaal befinden sich eine Bibliothek mit Regionalliteratur sowie vier Arbeitsplätze, an denen recherchiert werden kann. Hier waren verschiedene Stationen aufgebaut, an denen die Gäste u.a. den Film „Bei uns in Haren“ von 1960 ansehen konnten oder Fotos aus den Beständen des Archivs durchstöbern konnten.

Im Dachgeschoss wurde gezeigt, wie der Weg eines Dokuments vom Rathaus bis in den Magazinschrank aussieht – von der Reinigung und Digitalisierung bis hin zur Verzeichnung im Onlinekatalog „Arcinsys“, wo auch Privatpersonen nach Unterlagen suchen können.

(Foto: Stadt Haren)

„Unser Archiv beherbergt vor allem Akten der Kommunalverwaltung der letzten 200 Jahre, aber auch private Nachlässe und Sammlungen, die für die Stadtgeschichte relevant sind, wie etwa Schulchroniken“, erklärt Görtz-Meiners. Auf den Schränken im Obergeschoss sind diese Exponate ausgestellt. Ein besonderer Blickfang ist das an der Wand ausgebreitete Bettlaken der Ordensschwester Kunigunde, mit dem 1945 die Kapitulation Harens eingeleitet und so die Stadt vor der Zerstörung bewahrt wurde. „Ein Highlight unserer Sammlung und für viele Bürgerinnen und Bürger ein emotionsgeladenes Symbol der Stadtgeschichte“ so Görtz-Meiners.

Spuren der Vergangenheit

Die Gäste fragen außerdem nach Möglichkeiten, das Archiv für eigene Forschungen zu nutzen, z.B. zur Geschichte eines Familienbetriebs oder einer Siedlerstelle im Moor. „Das ist jederzeit möglich,“ sagt Görtz-Meiners, „es funktioniert jedoch nicht wie in einer Bücherei, wo man einfach reingeht und schaut, was alles im Regal ist. Der Besuch muss angemeldet und die Unterlagen vorher bestellt werden. Außerdem kommen die historischen Dokumente nicht geordnet oder systematisch zu uns, vieles ist lückenhaft oder unvollständig, daher haben wir nicht zu jeder Person oder jedem Zeitraum Informationen. Aber manchmal hat man Glück und entdeckt Spuren an unerwarteten Stellen.“

Ein weiterer Teil der Arbeit ist die wissenschaftliche Forschung zur Stadtgeschichte und die Öffentlichkeitsarbeit. So soll etwa im Laufe des Jahres ein „Bilder-guck-Nachmittag“ angeboten werden, bei dem die Inselmühle auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen ist. Denn viele Bilder aus dem Bestand wurden ohne Beschriftung abgegeben, sodass die Motive heute nicht mehr zuzuordnen sind.

„Wir hoffen auf die Unterstützung der älteren Bürgerinnen und Bürger, die vielleicht das eine oder andere wiedererkennen“, so Görtz-Meiners. Die Historikerin gibt in dem Zusammenhang auch den Tipp, alte Fotos immer auf der Rückseite mit Bleistift zu beschriften, sodass die Nachwelt weiterhin etwas mit ihnen anfangen kann.

Ein weiterer wichtiger Hinweis: mit Zeitzeugen reden! Die Geschichten der Großeltern aufschreiben, Bekannte, Verwandte, Freundinnen und Nachbarn ausfragen und altes Wissen zusammentragen. „Das ist das Herzstück unserer Arbeit. Über die Erzählungen der Menschen bleibt die Stadtgeschichte lebendig, sie sind der Schlüssel zur Identität der Gemeinschaft“, so Görtz-Meiners.

Hinweise zur Nutzung

Das Stadtarchiv kann man Wochentags zwischen 8 und 13 Uhr zu Recherchezwecken nutzen. Eine E-Mail an stadtarchiv@haren.de mit Angaben zu den gesuchten Unterlagen ist nötig. Alle Bestände können auch online im niedersächsischen Archivinformationssystem „Arcinsys“ eingesehen werden, dort befinden sich jedoch keine vollständigen Akten, sondern nur die Signaturen mit den jeweiligen Inhaltsbeschreibungen.

Die komplette Akte ist im Lesesaal des Stadtarchivs einsehbar. Manche Dokumente sind aus Datenschutzgründen gesperrt, bei Fragen hilft das Team der Inselmühle gerne weiter. Weitere Infos gibt es unter 05932-9976360 oder auf der Homepage der Stadt Haren unter www.haren.de/inselmuehle .

_____

Unser kostenloser Infoservice:

Ihr möchtet alle wichtigen News aus dem Emsland per WhatApp direkt auf Euer Smartphone bekommen? Dann klickt hier: 

Zum WhatsApp Kanal

Weitere News aus der Region