Jahrgangsbeste kommt aus dem Berufsbildungswerk des Christophorus-Werkes

Lingen (pm). Mit 96 Prozent in der Abschlussprüfung wird Kirstin Raben Jahrgangsbeste im Ausbildungsberuf Elektronikerin für Betriebstechnik im Prüfbezirk Lingen und Meppen. Ihre Ausbildung absolvierte die 23-Jährige im Berufsbildungswerk des Christophorus-Werkes – mit viel Motivation, großer Begeisterung für Technik und unterstützenden Ansprechpartnern und Fachdiensten an ihrer Seite. Heute arbeitet sie fest bei einem der Unternehmen, in dem sie während ihrer Ausbildung bereits Praxiserfahrungen sammeln konnte.
Fabian Brand
Kirstin Raben (2. v. l.) mit Ausbildern im Elektrotechnik-Bereich des Berufsbildungswerks des Christophorus-Werkes in Lingen. (Foto: Christophorus-Werk Lingen e. V.)

Kirstin Raben ist 23 Jahre alt und stammt aus Samern, einer kleinen Gemeinde bei Schüttorf. In ihrer Freizeit liest sie gern, spielt Akkordeon und engagiert sich in der Schießgruppe ihres örtlichen Schützenvereins. Nach dem Abitur im Jahr 2021 stand für sie fest, dass sie eine Ausbildung beginnen möchte. Aufgrund ihrer Autismus-Spektrum-Störung fiel es ihr zunächst schwer, sich in der Vielzahl an beruflichen Möglichkeiten zu orientieren. Deshalb entschied sie sich für die Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme (BvB) im Berufsbildungswerk (BBW) des Christophorus-Werkes. Das BBW ist als autismusgerechtes Berufsbildungswerk zertifiziert und bietet gezielte Unterstützung sowie feste Ansprechpartner während der gesamten Ausbildungszeit.

„Ein Beruf der zu mir passt“

In der Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme (BvB) hatte Kirstin die Möglichkeit, verschiedene Berufsfelder kennenzulernen und praktische Erfahrungen zu sammeln. Sie probierte sich in den Bereichen Holz, Metall und Elektro aus. Die Welt der Elektrotechnik faszinierte sie besonders.

Die dreieinhalbjährige Ausbildung zur Elektronikerin für Betriebstechnik schloss die junge Frau mit herausragenden Leistungen ab. Mit 96 Prozent in der Abschlussprüfung wurde sie Jahrgangsbeste in den Prüfbezirken Lingen und Meppen. In zwei Prüfungsfächern erreichte sie sogar beeindruckende 99 Prozent. Für Kirstin Raben war vor allem die Vielseitigkeit des Berufs ausschlaggebend: „Ich löse Probleme, entwickle eigenständig Anlagen und programmiere auch ein wenig – diese Mischung macht mir besonders Spaß.“

Während ihrer Ausbildung sammelte sie früh praktische Erfahrungen in Betrieben. Möglich wurde das durch eine sogenannte verzahnte Ausbildung mit Betrieb (vAmB) beim Familienunternehmen Kettelhack in Rheine, einem Spezialisten für unifarbige Hochleistungstextilien.

Ein nahtloser Übergang ins Berufsleben

So absolvierte Kirstin im ersten und zweiten Ausbildungsjahr ihre Praxisphasen bei Kettelhack. „Alle waren total nett zu mir und haben mich so akzeptiert, so wie ich bin“, berichtet sie. Besonders in neuen oder unbekannten Räumen fühlt sie sich wohler, wenn sie anderen Menschen in den Raum folgen kann. Auch an ihrem Arbeitsplatz hatte sie anfangs Herausforderungen – etwa aufgrund der großen Textilrollen in der Produktion, die täglich anders aussehen. „Meine Kollegen haben mich daher zunächst am Eingang abgeholt und sind mit mir bis zu den Umkleideräumen und anschließend weiter bis zur Werkstatt gegangen. Jetzt weiß ich, was mich erwartet und schaffe es auch alleine.“

Heute arbeitet Kirstin Raben in dem Familienunternehmen als Elektronikerin für Betriebstechnik: Maschinen und Schaltungen warten oder installieren – eben dafür sorgen, dass alles läuft. „Wenn die Maschinen mal nicht so wollen, wie sie sollen, dann bin ich da – das ist mein Job.“

Unterstützung, die Sicherheit gibt

Auch auf ihre Ausbildungszeit im Berufsbildungswerk blickt Kirstin Raben sehr positiv zurück. „Ich würde die Zeit im BBW nicht missen wollen. Es war eine gute Entscheidung, hier meine Ausbildung zu absolvieren.“ Besonders der Fachdienst Autismus war für sie eine wichtige Unterstützung. „Dort hatte ich feste Ansprechpartner. Wenn ich ein Anliegen hatte, konnte ich jederzeit das Gespräch suchen. Das hat mir sehr geholfen.“ Auch Ausbilderinnen und Ausbilder sowie die Sozialdienste standen ihr immer zur Seite.

Michael Anterhaus, einer ihrer Ausbilder im Bereich Elektrotechnik, erinnert sich gern an Kirstins Ausbildungszeit: „Kirstin war sowohl schulisch als auch praktisch eine Selbstläuferin. Sie hat sich sehr viel autodidaktisch beigebracht. Ihr Interesse am Fach und ihre Motivation waren immer spürbar.“ Für ihn ist klar: Spaß an der Arbeit ist ein entscheidender Erfolgsfaktor. „Wir achten schon in der BvB darauf, dass die Teilnehmenden Freude an dem haben, was sie tun. Den Beruf, den man in jungen Jahren erlernt, übt man oft ein Leben lang aus. Wenn es keinen Spaß macht, führt dieser Weg selten zum Erfolg.“ Bei Kirstin hat es geklappt – mit Motivation und Begeisterung wurde sie Jahrgangsbeste.

Mit Zuversicht in die Zukunft

Für ihre Zukunft hat Kirstin Raben klare, aber bodenständige Wünsche: „Ich möchte einfach glücklich werden, im Leben ankommen, vielleicht irgendwann eine eigene Wohnung haben oder sogar ein Haus kaufen.“ Doch zunächst möchte sie arbeiten. „Berufserfahrung sammeln ist mein Ziel für die nächsten Jahre. Danach schaue ich weiter, wohin mich mein Weg führt – eventuell Technikerin oder aufbauendes Studium.“

Von der Gesellschaft wünscht sie sich vor allem eins: mehr Offenheit und Akzeptanz. „Egal, woher jemand kommt oder welchen Rucksack die Person trägt – ob psychische, geistige oder körperliche Unterstützungsbedarfe da sind: Jeder Mensch sollte die Möglichkeit haben, voll und ganz am Leben teilzuhaben und akzeptiert zu werden. Jeder Mensch ist okay so, wie er ist. Und dafür sollten wir alle offen sein.“

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