„Vier Informationsmodule befinden sich jetzt auf dem Schulgelände. Jeweils drei Tafeln bilden dabei ein thematisches ,Cluster´, das auf eine wichtige Phase der Schulgeschichte verweist“, erläutert Erster Kreisrat Martin Gerenkamp das umgesetzte Konzept. Diese Phasen sind: Klarissenkloster (1652–1812), Mädchenvolksschule und Lyzeum (1854–1941), Nationalpolitische Erziehungsanstalt (NPEA) Emsland (1941–1945), Neubeginn nach dem Krieg und Trägerwechsel (1946–2024). Flankierend wurden an Übergangszonen zur Innenstadt Hinweistafeln aufgestellt, die über die geschichtliche Route und den Anlass des Projekts Auskunft geben. „Über QR-Codes auf den Infotafeln kann eine zusätzliche digitale Vertiefungsebene erschlossen werden, auf der die Inhalte der Tafeln durch weitere Bildzeugnisse und Fakten ergänzt werden. So ist nach vier Jahren der intensiven Zusammenarbeit und durchaus kontroverser Diskussion mit dem dauerhaften Erinnerungs- und Bildungsort ein gutes Ergebnis erzielt worden, hinter dem sich alle versammeln können. Der Geschichtspfad ist allen zugänglich und transportiert die Geschichte der Schule über Generationen hinweg und hält sie wach“.
„Geschichte verschwindet, wenn wir sie nicht bewahren. Da viele historische Gebäude nicht mehr erhalten sind, braucht es neue Formen der Erinnerung. Mit dem Geschichtspfad ist ein wichtiger Ort entstanden, der Wissen sichtbar macht und für alle Generationen erlebbar hält“, betonen Katja Kuhlmann, Kulturmanagerin des Freilicht- und Heimatmuseums Haselünne, und Philipp Scheid, Abteilungsleiter Kultur beim Landkreis Emsland, für den Heimatverein Haselünne, der formaler Vorhabenträger ist.
„Die Stadt Haselünne möchte sich bei allen Beteiligten zur Entwicklung des Infopfades ausdrücklich bedanken, insbesondere beim Landkreis Emsland und den eingebundenen Schülerinnen und Schülern. Mit der heutigen Einweihung und Eröffnung des Infopfades besteht für die Öffentlichkeit eine innovative Möglichkeit, sich mit der Geschichte dieses bedeutenden Bildungsstandortes auseinanderzusetzen. Neben der vertiefenden Information zur Geschichte wird ebenso die schwierige Zeit des Nationalsozialismus mit der Einrichtung der NPEA aufgearbeitet. Damit dient der Infopfad nicht nur der Aufarbeitung und Erinnerung, sondern ist zugleich Mahnung“, sagt Bürgermeister Werner Schräer.
„Wichtig war uns, mit den Tafeln alle anzusprechen, die sich für Haselünne interessieren – ganz unabhängig von historischen Vorkenntnissen, ganz egal ob man aus Haselünne kommt oder zu Besuch hier ist“, erläutert Dr. Katharina Hülscher von der Geschichtsmanufaktur.
Mit dem im Jahr 2021 geplanten Abbruch eines 1910 errichten Schulgebäudes begann die intensive Aufarbeitung der Schulgeschichte sowie die Einrichtung eines Erinnerungsortes. Die öffentliche Diskussion führte noch im selben Jahr zur Einsetzung einer Kommission, der fortan Experten und Interessensvertreter verschiedener Einrichtungen und Initiativen angehörten. Darunter waren u. a. Landkreis Emsland, Stadt Haselünne, Gedenkstätte Esterwegen, Kreisgymnasium St. Ursula, Heimatverein Haselünne, Verein der Freunde und Förderer der alten Klosterkirche und Bistum Osnabrück. Der Arbeitskreis erarbeitete in den Jahren darauf ein geeignetes Vermittlungskonzept. Neben den didaktischen Grundlagen bestimmten die Mitarbeitenden der Arbeitsgruppe auch wichtige Bildzeugnisse und Exponate für die Ausstellung. Dabei halfen auch Kontakte zu Zeitzeugen wie den beiden ehemaligen „Jungmannen“ der NPEA Emsland, Karl-Hermann Harmsen aus Nordhorn und Dr. Peter Brockmann aus Oldenburg, die Wissen aus erster Hand beisteuern konnten. Letzterer nahm an der Eröffnung teil und berichtete von seinen persönlichen Erfahrungen.
Anfang 2024 wurde die Firma „Geschichtsmanufaktur“ aus Dortmund mit der konkreten Umsetzung der Planungen und Vorüberlegungen betraut. Sie zeichnen für das nun umgesetzte Design und die graphische Gestaltung ebenso verantwortlich wie für die inhaltliche und sprachliche Aufbereitung der Themen.
Über die Historie des heutigen Kreisgymnasiums:
Die Geschichte der Schule beginnt im Jahr 1658, als Ordensschwestern aus dem Klarissenkloster in Oldenzaal (Niederlande) hier eine Niederlassung samt Mädchenpensionat gründeten. Im Jahr 1854 übernahmen die Ursulinen das Areal und bauten es zu einer „Höheren Töchterschule“ aus. Die Nationalsozialisten vertrieben die Ursulinen aus Haselünne und richteten zwischen 1941 und 1945 in der Schule eine NPEA ein, eine Art Kaderschmiede der NSDAP. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Unterrichtsbetrieb von neuem aufgenommen und die Schule für Jungen geöffnet, sodass aufgrund der steigenden Schülerzahlen die Anlage erweitert werden musste. 1972 ging die Schule in die Trägerschaft des damaligen Landkreises Meppen über, dessen Rechtsnachfolger der Landkreis Emsland ist.
Die Kosten für den Geschichtspfad in Höhe von 32.500 Euro tragen der Landkreis Emsland unter Beteiligung der Stadt Haselünne, der Angela-Merici-Stiftung sowie der Emsländischen Sparkassenstiftung.
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Betriebsstoffe traten aus beiden Fahrzeugen aus (Foto: Stadt Papenburg / Feuerwehr)
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