Nachfahren des jüdischen Arztes und Politikers Julius Moses zu Gast in Lingen

Lingen (pm). Anlässlich der Umbenennung der bisherigen Sauerbruchstraße in Julius-Moses-Straße hat die Stadt Lingen die Nachfahren von Julius Moses im Historischen Rathaus empfangen. Die Familien der drei Enkel des jüdischen Arztes und Politikers waren aus verschiedenen Teilen der Welt angereist, um an den Veranstaltungen zur Ehrung ihres Vorfahren teilzunehmen.
Phil Gerdes
Anlässlich der Umbenennung der bisherigen Sauerbruchstraße in Julius-Moses-Straße hat die Stadt Lingen die Nachfahren von Julius Moses im Historischen Rathaus empfangen. (Foto: Stadt Lingen)

Der Erste Bürgermeister Stefan Heskamp begrüßte die Gäste am Sonntagmittag (14.06.2026) im Historischen Rathaus. In seinem Empfang stellte er die Geschichte der Stadt Lingen, ihre Entwicklung zu einem attraktiven Lebens- und Wirtschaftsstandort sowie aktuelle Herausforderungen und Chancen der Stadtentwicklung vor.

„Es ist keineswegs selbstverständlich, dass die Familien diese weiten Wege auf sich genommen haben, um nach Lingen zu kommen“, betonte Heskamp. Die Nachfahren von Julius Moses waren aus Australien, England, Irland, Schottland, Italien und den USA angereist. „Ihr Besuch zeigt, welche Bedeutung die Erinnerung an Julius Moses und sein Wirken bis heute hat.“

Bereits am Vortag hatten die Gäste die Stadt näher kennengelernt. Museumsdirektor Dr. Christof Spannhoff führte die Familie durch die Lingener Innenstadt und vermittelte Einblicke in die Stadtgeschichte. Gemeinsam mit Simon Göhler, Vorsitzender des Forums Juden-Christen Altkreis Lingen, besuchten sie zudem die Jüdische Schule.

Für die Familie ergriff Paul Nemitz, ein Enkel von Julius Moses, stellvertretend das Wort. Er zeigte sich erfreut über die Ehrung seines Großvaters und erklärte, dass die Lage der neuen Julius-Moses-Straße im Stadtteil Damaschke gut gewählt sei. Das Thema menschenwürdige Wohnverhältnisse habe dort schon früh eine wichtige Rolle gespielt – ein Anliegen, das eng mit dem Wirken von Julius Moses verbunden gewesen sei.

Als Arzt habe er erkannt, wie stark Armut, Wohnverhältnisse und Gesundheit zusammenhängen. Aus dieser Überzeugung heraus engagierte er sich später auch politisch, um die Lebensbedingungen benachteiligter Menschen nachhaltig zu verbessern. Sein Ziel sei es gewesen, nicht nur Krankheiten zu behandeln, sondern deren soziale Ursachen zu bekämpfen.

Mit dem Empfang im Historischen Rathaus würdigte die Stadt Lingen nicht nur das Andenken an Julius Moses, sondern auch die Erinnerungskultur.

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