„Tag der Talente“ am Gymnasium Marianum Meppen

Meppen (pm). Als Xuhe Theresa Gu ihre selbstentwickelten Lotosbärchen der Öffentlichkeit vorstellt, können es die Zuschauer kaum erwarten, eins davon zu naschen. Erdbeere, Waldmeister, Holunderblüte oder Natur – das sind die Geschmacksrichtungen des Gummibärchen-Prototyps. Wer jetzt an die bekannte gelbe Tüte aus dem Supermarkt denkt, liegt falsch. Diese Gummibärchen sind anders. Sie heißen Lotosbär-chen – und es gibt sie nur dank Xuhe Theresas Faulheit und ihrem Forscherdrang.
Fabian Brand
Gruppenbild der Teilnehmer und Mentoren nach der feierlichen Urkundenübergabe. (Foto: Gymnasium Marianum Meppen)

Alles begann mit einem glücklichen Versehen. Die Zehntklässlerin wollte Lotuswurzelpulver – in der asiatischen Küche traditionell als heilsames Getränk mit heißem Wasser aufgegossen – schlicht und ergreifend mit kaltem Wasser anrühren, weil ihr der Aufwand zu groß war. Was sie dabei entdeckte, hat sie zu weiterer Forschung inspiriert: Das Pulver verwandelte sich in eine gummibärchenartige Masse. Eine Zufälligkeit mit Potenzial.

Aus diesem Moment wurde ein Schuljahr Forschung. Xuhe Theresa Gu entwickelte im Rahmen des Begabtenprogramms „Forder-Förder-Projekt“, kurz FFP, am Gymnasium Marianum in Meppen eine eigene Gummibärchen-Alternative – und diese kann sich sehen lassen: Die Lotosbärchen sind zuckerarm, vegan, reich an Vitaminen und Mineralstoffen und überzeugen durch eine angenehme Elastizität, die andere vegane Alternativen oft vermissen lassen. Und sie sind neu: So etwas gab es noch nie.

Vorgestellt hat Xuhe Theresa Gu ihre Lotosbärchen am „Tag der Talente“ am Marianum, der Abschlussveranstaltung des Begabtenprojekts. Sie gehört damit zu einer Gruppe von insgesamt 25 besonders begabten Schülerinnen und Schülern, die im vergangenen Schuljahr an dieser zentralen Begabtenförderungsmaßnahme teilgenommen haben – mit 25 Projekten, so vielen Projekten wie noch nie. Die jungen Talente erhalten im Forder-Förder-Projekt viel Freiraum: Sie dürfen sich ein Schuljahr lang mit einem selbstgewählten Projekt beschäftigen und sich dafür jede Woche zwei Stunden aus dem Unterricht herausnehmen. Begleitet werden sie dabei von engagierten Mentorinnen und Mentoren, die mal Ideengeber und Mutmacherin, mal Motivator und Coach sind.

Herausgekommen sind dabei Projekte, die beeindrucken: Eine Schülerin entwickelte ein vollständiges Krimidinner für acht Personen über fünf Runden – spielbereit und selbst ausgedacht. Eine andere präsentierte einen eigenen Escape Room. Ein solarbetriebenes Boot, das auf dem Wasser schwimmen kann, wurde ebenso vorgestellt wie ein selbst entwickeltes Brettspiel. Und natürlich wurden auch wieder Romane geschrieben, es gab Ergebnisse aus der Astroforschung und Quantenphysik und vieles mehr.

Für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer war der „Tag der Talente“ ein aufregender und zugleich stolzer Moment: ein ganzes Schuljahr voller Ideen, Experimente, Rückschläge und Entdeckungen, verdichtet in einem Nachmittag. Und wer am Ende eines der Lotosbärchen probiert hat, weiß: Manchmal braucht es nicht mehr als einen Zufall – und den Mut, genauer hinzuschauen.

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