Bundespreis für die Entwicklung des Nordhorner Bahnhofsumfelds

Nordhorn / Bonn (pm). Die Stadt Nordhorn ist am 14. Oktober 2026 im Bundeswettbewerb „Anschlüsse gestalten. Mobil in ländlichen Räumen“ ausgezeichnet worden. Gewürdigt wird die strategische Gesamtkonzeption zur Neuentwicklung des Bahnhofsumfelds anlässlich der Reaktivierung des Schienenpersonennahverkehrs. Sie bildet den Rahmen für zahlreiche aufeinander abgestimmte Maßnahmen, die den Bahnhof besser erreichbar machen und den Umstieg zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln erleichtern. Stadtbaurätin Milena Schauer nahm den mit 5.000 Euro dotierten Preis für die Stadt Nordhorn in Bonn entgegen. Überreicht wurde er von Melanie Schade vom Bundesinstitut für Bau , Stadt- und Raumforschung (BBSR).
Fabian Brand
Melanie Schade vom BBSR (links) überreichte Nordhorns Stadtbaurätin Milena Schauer die Siegerurkunde des Bundeswettbewerbs. (Foto: BBSR/Czybik & Schmid Media/ Guido Schiefer)

Das BBSR sowie das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) würdigten bei der Preisverleihung insgesamt 20 Projekte. Sie zeigen, wie sich Bahnhöfe in ländlichen Räumen besser mit Bussen, On-Demand-Angeboten, Fuß- und Radverkehr sowie weiteren Mobilitätsangeboten verknüpfen lassen. Ziel sind verlässliche Reiseketten, die auch ohne eigenes Auto im Alltag funktionieren.

Frühzeitig planen, schrittweise umsetzen

Mit der Wiederaufnahme des Personenverkehrs zwischen Bad Bentheim, Nordhorn und Neuenhaus im Jahr 2019 bekam der Nordhorner Bahnhof eine neue Bedeutung. Um dieses Potenzial zu nutzen, mussten auch die Wege zum Bahnhof, die Umsteigemöglichkeiten und das städtebauliche Umfeld weiterentwickelt werden. Bereits vor der Reaktivierung schuf die Stadt deshalb mit einem städtebaulichen Entwicklungskonzept die Grundlage für die Neuordnung. Ergänzt wurde es durch das Radverkehrskonzept, das auch wichtige Verbindungen außerhalb des unmittelbaren Bahnhofsumfelds berücksichtigt.

Die frühzeitige Planung gab der Stadt Nordhorn, dem Landkreis Grafschaft Bentheim und der Bentheimer Eisenbahn ein gemeinsames Ziel. Zugleich ermöglichte sie, das umfangreiche Vorhaben in einzelne, aufeinander abgestimmte Schritte aufzuteilen. Diese konnten nach verfügbaren personellen und finanziellen Ressourcen sowie der Verfügbarkeit benötigter Grundstücke umgesetzt werden. Das Gesamtkonzept erleichterte zudem die gezielte Nutzung verschiedener Förderprogramme.

„Wir haben frühzeitig festgelegt, wie der Bahnhof und sein Umfeld langfristig zusammenwirken sollen. Dadurch konnten wir jede einzelne Maßnahme auf ein gemeinsames Ziel ausrichten und passende Fördermöglichkeiten nutzen. Für die Menschen wird das ganz konkret spürbar: durch kürzere Wege, bessere Umstiege und einen Bahnhof, den sie mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln gut erreichen können“, erklärt Stadtbaurätin Milena Schauer.

Kürzere Wege und bessere Anschlüsse

Bereits 2012 wurde der zentrale Busbahnhof direkt an den Bahnhof verlegt und nach der erfolgreichen Bahnstreckenreaktivierung erweitert. Aufeinander abgestimmte Bus- und Bahnfahrpläne erleichtern den Umstieg. Die neue Ladestraße auf der Bahnhofsrückseite verbessert seit diesem Jahr die Erreichbarkeit insbesondere für den Radverkehr und schafft eine direkte Fußwegeverbindung zu den Berufsbildenden Schulen.

Auch im weiteren Umfeld wurden wichtige Verbindungen ausgebaut. Dazu gehören die neue NINO-Brücke für den Fuß- und Radverkehr, ein geschützter Radfahrstreifen an der Denekamper Straße und eine zusätzliche Querung des Stadtrings in Richtung Innenstadt. Insgesamt stehen am Bahnhof aktuell mehr als 130 Fahrradstellplätze zur Verfügung, davon 100 überdacht. Hinzu kommen 105 Pkw-Stellplätze, ein Carsharing-Angebot und Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge.

Der Bahnhof selbst wurde bereits 2023 als „Bahnhof des Jahres“ ausgezeichnet. Der jetzige Bundespreis würdigt die strategische Entwicklung des gesamten Umfelds und die Verknüpfung der Mobilitätsangebote.

Weitere Entwicklung mit Blick auf Coevorden

Mit der für 2027 vorgesehenen Verlängerung des Personenverkehrs bis ins niederländische Coevorden gewinnt der Bahnhof weiter an Bedeutung. Geplant sind unter anderem zusätzliche Fahrradabstellmöglichkeiten einschließlich einer abschließbaren Anlage, ein weiterer Bahnsteigzugang auf der Westseite und ein Echtzeitinformationssystem für den öffentlichen Verkehr.

Bundesweite Anerkennung für bessere Mobilität

Sabine Poschmann, Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, erklärt: „Wer auf dem Land lebt, darf ohne eigenes Auto nicht abgehängt sein. Gute Mobilität bedeutet Teilhabe – und sie macht Gemeinden zu attraktiveren Orten zum Leben und Arbeiten. Die ausgezeichneten Projekte zeigen, was vor Ort möglich ist, wenn Kommunen und Verkehrsunternehmen gemeinsam anpacken. Davon brauchen wir mehr.“

Dr. Peter Jakubowski, Leiter des BBSR, betont: „Ein guter Bahnanschluss hilft wenig, wenn man die letzten Kilometer nicht weiterkommt. Die ausgezeichneten Projekte setzen genau dort an: Sie stimmen Busse auf Züge ab, bringen Menschen aus den Ortsteilen zum Bahnhof und sorgen für sichere und kurze Wege beim Umsteigen. Das sind Lösungen, die den Alltag konkret erleichtern. Und viele davon lassen sich auch andernorts umsetzen. Genau deshalb machen wir sie mit diesem Wettbewerb sichtbar.“

Der Wettbewerb wurde im Rahmen des Bundesprogramms „Region gestalten“ durchgeführt. Mit dem Programm unterstützt das BMWSB Projekte mit besonderem Fokus auf ländliche Räume. Ziel ist es, neue Ansätze für die räumliche Entwicklung zu erproben und Erkenntnisse für andere Regionen nutzbar zu machen.

Alle ausgezeichneten Projekte werden auf Mobilikon, dem Online-Nachschlagewerk des BBSR für kommunale Mobilität, vorgestellt. Es bündelt Praxisbeispiele und Informationen zu Mobilitätslösungen und unterstützt Kommunen dabei, passende Ansätze für die Situation vor Ort zu finden. Informationen zu allen ausgezeichneten Projekten sind auf der Internetseite www.mobilikon.de verfügbar.

Weitere News aus der Region