Heute vor 219 Jahren fand in Meppen die letzte Hinrichtung statt

Meppen. Goose Sienken (Gänse Gesina) wurde sie genannt; Anna Gesina Fenslage, geb. Brink, war der letzte Mensch, der am 10. April 1807 in Meppen hingerichtet wurde. Ihr Vergehen: Sie hatte auf Druck ihres gewalttätigen Mannes in einer Scheune in Fullen ein Feuer gelegt, um während der Löscharbeiten in den Bauernhäusern zu stehlen.
Matthias Brüning
Am Hinrichtungshügel im Esterfelder Forst wurde vor einigen Jahren auf Initiative von Historikerin Margret Koers diese Gedenktafel angebracht (Foto: Matthias Brüning)
Ein ungünstig stehender Wind wehte das brennende Stroh durch das Dorf und führte zu dem Urteil „Mordbrand“. Das bedeutet Brandstiftung, durch die jemand hätte sterben können. Leider wurde schon durch J. B. Diepenbrock in der „Geschichte des vormaligen münsterschen Amtes“ von 1838 der Grundstein für den üblen Volksmund, die junge Frau betreffend, gelegt.
 
Heute weiß man, dass das Werk historisch ungenau ist und erfundene Geschichten enthält. Etwa 100 Jahre nach Goose Sienkens Tod schrieb ein gewisser Carl Benedikts einen Roman nach der Grundlage Diepenbrocks und verfälschte damit die Geschichte durch unwahre Behauptungen erneut. Der Text wurde im 20. Jh. ein weiteres Mal  herausgebracht. Bei einer Lesung des Heimatvereins aus diesem Buch 2007 zum 200. Todestag bemerkte die Schriftstellerin Margret Koers die vielen korrekturbedürftigen Stellen was Goose Sienkens Leben, aber auch geschichtliche Ereignisse betraf. In der Folge wertete sie die umfangreichen Akten aus den Jahren 1806/1807 aus und schrieb das Buch „Hexenschwert“, das auf 400 Seiten die wahren Begebenheiten in Romanform schildert, Aktenauszüge und Abbildungen enthält.
 
Für Menschen mit Sehschwäche sowie als Ergänzung zum Buch gibt es zusätzlich das gleichnamige Hörspiel. Die Meppener Autorin versucht seitdem, Goose Sienken durch Lesungen und Busexkursionen zu rehabilitieren und den alten Text zu widerlegen; sie kann auch von interessierten Gruppen gebucht werden. Vor einigen Jahren ließ sie mit Hilfe von einigen Meppener Bürgern wie Markus Fenske und Frank Schepergerdes und Spenden von Touristen einen Gedenkstein an den Hinrichtungshügel im Stadtteil Esterfeld legen.
 
(Foto: Matthias Brüning)
 
Die Sondengänger Michael Koers (im oberen Bild) und Matthias Berg suchten nach erfolgreicher Genehmigung darüber hinaus mit ihr gemeinsam nach Funden, u. a. wurde das abgebildete Kreuz entdeckt.
 
(Foto: Margret Koers)
 
Im April letzten Jahres drehte der NDR über den historischen Fall. Noch bis zum 26. 4. kann in der NDR-Mediathek der Beitrag am Ende der Sendung „Nordtour“ gesehen werden.
 
Öffentliche Führung am Samstag (11. April)
 
Morgen, am Samstag, 11. April, findet um 15 Uhr eine öffentliche Führung zum Thema statt. Tickets sind bei der Tourist Info Meppen, Tel. 05931 – 153 153, für 5 Euro erhältlich. 
 
Das Foto zeigt Schriftstellerin Margret Koers vor dem historischen Rathaus in Meppen. Anna Gesina Fenslage, geb. Brink verbrachte hier 1807 ihre letzten Tage vor der Hinrichtung (Foto: Matthias Brüning)

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