SPD-Arbeitskreis Wirtschaft im Austausch vor Ort: Was Niedersachsens Unternehmen jetzt bewegt

Hannover (pm). Der Arbeitskreis Wirtschaft der SPD-Landtagsfraktion hat im Rahmen seiner „Wirtschaftswoche“ zentrale Unternehmensstandorte im westlichen Niedersachsen besucht. Die Abgeordneten sprachen mit Unternehmensleitungen, Betriebsräten und Beschäftigten und erhielten Einblicke in Betriebe, die für industrielle Stärke, regionale Verwurzelung und aktuelle wirtschaftliche Herausforderungen stehen.
Fabian Brand
SPD-Arbeitskreis Wirtschaft zu Gast bei bp in Lingen: Im Austausch über Industrie, Energieversorgung und die Transformation hin zu grünem Wasserstoff. (Foto: Nds. SPD-Fraktion)

An mehreren Stationen begleiteten auch kommunale SPD-Kandidierende die Bereisung. Mit Robert Alferink aus Osnabrück, Tobias Munsch aus Meppen, Karin Peters aus Haselünne und Greta Außel als Landratskandidatin für das Emsland wurde deutlich: Wirtschaftliche Standortfragen spielen auch auf kommunaler Ebene eine zentrale Rolle.

Erste Station war das Volkswagen-Werk in Osnabrück. Der Standort steht in der Tradition des früheren Karmann-Werks und ist eng mit der Automobilgeschichte der Region verbunden. Beim Blick auf historische Modelle wurde anschaulich, welche Bedeutung das Werk für die industrielle Entwicklung Osnabrücks hatte und bis heute hat. Im Austausch vor Ort ging es vor allem um die Perspektive des Standorts, nachdem der Bau des T-Roc-Cabrio-Bau 2027 eingestellt wird, die Sicherung von Arbeitsplätzen und die Folgen der aktuellen Entwicklungen bei Volkswagen.

Anschließend besuchte der Arbeitskreis die Krone Gruppe in Spelle. Das Familienunternehmen ist in der Landtechnik sowie im Bereich Nutzfahrzeuge und Transportlösungen tätig und zählt zu den prägenden Betrieben im Emsland. Im Gespräch mit Unternehmensleitung und Betriebsrat ging es um die Entwicklung des Unternehmens, seine enge Bindung an die Region und seine starke Position in der Branche. Zugleich wurden Herausforderungen sichtbar, die sich aus europäischen und globalen Rahmenbedingungen ergeben – etwa durch Auflagen, internationalen Wettbewerbsdruck und Handelszölle der Vereinigten Staaten. Der Rundgang durch die automatisierte Lagerhalle und der Blick auf den Fuhrpark zeigten, wie stark Krone industrielles Know-how und moderne Logistik verbindet.

 

Mit der bp Raffinerie in Lingen stand danach ein zentraler Energie- und Industriestandort auf dem Programm. Die Raffinerie ist die einzige große Kraftstoffraffinerie in Niedersachsen und zeigt, wie sich klassische Industrie in Zeiten der Transformation weiterentwickeln kann. Im Austausch vor Ort ging es unter anderem um die regionale und nationale Bedeutung des Standorts für die Versorgungssicherheit sowie um strukturelle Standortnachteile, die industrielle Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Deutschland gefährden. Zudem wurde über das sich derzeit im Bau befindende Projekt für grünen Wasserstoff, die weiteren Anstrengungen des Standorts zum Ausbau der Biokraftstoff-Produktion und die dafür erforderlichen regulatorischen Rahmenbedingungen gesprochen. Bei einer anschließenden Führung über das Werksgelände konnten die Abgeordneten nachvollziehen, welche Anforderungen Energieversorgung, Sicherheit, Investitionen und Transformation vor Ort mit sich bringen.

Ein weiterer Termin führte den Arbeitskreis zu Emsflower in Emsbüren. Das Unternehmen zählt zu den großen Gartenbaubetrieben der Region und verbindet Pflanzenproduktion, Erlebniswelt und moderne Betriebsstrukturen. Der Rundgang durch die weitläufigen Anlagen machte die Dimension und das Potenzial des Betriebs sichtbar. Hervorzuheben sind die weitgehend eigenständige Energieversorgung durch ein eigenes Heizkraftwerk und Photovoltaik sowie die Nutzung von Abwärme – ein Ansatz, der auch für die kommunale Wärmeplanung interessant sein kann. Emsflower zeigt zudem, wie aus unternehmerischem Mut innerhalb von rund 20 Jahren ein modernes Familienunternehmen wachsen kann, das mehrere hundert Arbeitsplätze in der Region geschaffen hat.

Den Abschluss der Wirtschaftswoche bildete der Besuch der Meyer Werft in Papenburg. Die Werft gehört zu den bedeutendsten Schiffbaustandorten Europas und ist ein industrieller Anker für die gesamte Region. Dort entstehen hochkomplexe Kreuzfahrtschiffe und Spezialschiffe, die industrielle Fertigung, Ingenieurskunst und internationale Zulieferketten verbinden. Im Austausch vor Ort und beim Rundgang über das Werftgelände wurde deutlich, dass sich die Situation der Werft seit der Neuaufstellung spürbar verbessert hat. Positiv bewertet wurde insbesondere die gestärkte Arbeitnehmerbeteiligung. Eine zentrale Rolle spielte außerdem der Masterplan Ems. Er bleibt entscheidend, um Industrie, Beschäftigung und Naturschutz tragfähig miteinander zu verbinden und dem Standort eine verlässliche Perspektive zu geben.

„Unsere Wirtschaftswoche hat gezeigt, wie breit und leistungsfähig Niedersachsen wirtschaftlich aufgestellt ist. Ob Automobilindustrie, Landtechnik, Energie, Gartenbau oder Schiffbau: Überall sind wir auf Unternehmen mit hoher Innovationskraft, starker regionaler Verwurzelung und qualifizierten Beschäftigten getroffen. Diese Stärke wollen wir sichern und weiterentwickeln“, erklärt der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Christoph Bratmann.

Für den SPD-Arbeitskreis Wirtschaft ergänzt Frank Henning: „Gleichzeitig stehen viele Betriebe unter erheblichem Druck – durch Transformation, internationale Wettbewerbsbedingungen, Energiefragen, Fachkräftesicherung und globale Handelskonflikte. Aus den Gesprächen nehmen wir klare Arbeitsaufträge mit: Wir müssen industrielle Wertschöpfung und gute Arbeit in Niedersachsen sichern, Infrastruktur und Energieversorgung verlässlich ausbauen und Unternehmen wie Beschäftigte in der Transformation partnerschaftlich begleiten.“

Fotos: Nds. SPD-Fraktion

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