Fachtag in Haren – Heute für das Wohnen von morgen planen

Haren (pm). Barrierefrei, bezahlbar, flexibel und selbstbestimmt – so sollte zukunftsfähiges Wohnen aussehen. Wie das gelingen kann, stand im Mittelpunkt des Fachtags „Innovatives Wohnen – barrierefrei, zukunftssicher und kostenbewusst“ des Landkreises Emsland in Haren. Architektinnen und Architekten, Fachplanung, Bauämter, Handwerksbetriebe sowie Bürgerinnen und Bürger kamen zusammen, um praktische Lösungen und notwendige Rahmenbedingungen zu diskutieren.
Phil Gerdes
(v.l.) Kerstin Knoll (Leiterin Seniorenstützpunkt), Wilfried Ripperda (Fachbereichsleiter Soziales), Angela Waschull (Moderatorin), Paul Rossmann und Tanja Rossmann-Feier (beide ips Lingen (Ems)), Peter Gebhardt und Klara Ewert (beide Kreisseniorenbeirat). (Foto: Landkreis Emsland)

Initiiert wurde der Fachtag vom Landkreis Emsland auf Anregung des Kreisseniorenbeirats. Angesichts des demografischen Wandels gewinnt das Thema weiter an Bedeutung. Im Landkreis Emsland trifft eine hohe Eigenheimquote auf ein bislang zu geringes Angebot an preiswerten seniorengerechten Wohnungen. Gleichzeitig verändern sich mit einer älter werdenden Gesellschaft die Anforderungen an Wohnen, Infrastruktur und Unterstützung.

„Unser Anspruch sollte sein, heute die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Menschen auch morgen und im Alter gerne, selbstbestimmt und bezahlbar im Emsland wohnen können“, betonte Landrat Marc-André Burgdorf bei der Eröffnung des Fachtags. Seniorenpolitik müsse deshalb stärker auch als vorausschauende Wohn-, Quartiers- und Infrastrukturpolitik verstanden werden. Dazu gehöre, sich frühzeitig mit der eigenen Wohnsituation auseinanderzusetzen und bei Neubau, Umbau oder Sanierung auch die möglichen Anforderungen in zehn, 20 oder 30 Jahren mitzudenken.

Barrierefreiheit breiter denken

Wie das praktisch aussehen kann, zeigten die Fachvorträge. Architekt und Stadtplaner Paul Roosmann von der ips Projekte GmbH machte deutlich, dass Barrierefreiheit weit mehr als rollstuhlgerechtes Bauen bedeutet. Der Nutzerkreis müsse breiter gedacht werden, denn gut zugängliche und komfortable Lösungen bieten Menschen in ganz unterschiedlichen Lebensphasen Vorteile. Dabei komme es nicht immer auf große bauliche Maßnahmen an.

„Die beste Lösung ist nicht die größte, sondern die, die im Alltag funktioniert“, sagte Roosmann. Gute Lösungen sollten sich an den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen orientieren und Komfort und Sicherheit gleichermaßen erhöhen.

Tanja Roosmann-Feier stellte mit dem Lebenszyklushaus ein Gebäudekonzept vor, das sich veränderten Lebensbedingungen anpassen lässt. Massive Außenwände werden mit flexibel veränderbaren Leichtbauwänden und einem separaten Treppenhaus kombiniert. Werden solche Voraussetzungen bereits beim Bau geschaffen, können spätere Veränderungen einfacher und kostengünstiger umgesetzt werden.

Markus Felix von der Felix Energie GmbH zeigte, dass auch energetische Modernisierung und Barrierefreiheit zusammengedacht werden sollten. Energetische Maßnahmen beschränken sich nicht auf die Heizungsanlage. Werden etwa Fenster oder Haustüren erneuert, bietet sich zugleich die Chance, Barrieren abzubauen.

Kostenfreie Wohnberatung möglichst früh nutzen

Annette Brümmer vom Niedersachsenbüro Neues Wohnen im Alter hob die seit 2010 bestehende ehrenamtliche Wohnberatung im Landkreis Emsland hervor. Besonders positiv bewertete sie die individuellen Berichte und konkreten Hinweise, die Bürgerinnen und Bürger durch eine Beratung erhalten.

Die Wohnberatung des Landkreises ist für Bürgerinnen und Bürger kostenfrei und kann bereits lange vor einem konkreten Umbau genutzt werden. Auch Bauwillige können sich anhand erster Baupläne beraten lassen. So können Barrieren frühzeitig vermieden, Bewegungsflächen sinnvoll geplant und Voraussetzungen für spätere Anpassungen geschaffen werden. Was bereits auf dem Bauplan berücksichtigt wird, lässt sich in der Regel einfacher und kostengünstiger verwirklichen als im späteren Umbau.

Großer Mehrwert liegt zudem in der Zusammenarbeit mit dem Handwerk. Handwerksbetriebe sind bei Neubau, Sanierung und Modernisierung wichtige Ansprechpartner vor Ort. Ziel ist deshalb, dass Handwerksbetriebe die Wohnberatung aktiv als Partner verstehen und bei Fragen zu bedarfsgerechten und barrierearmen Lösungen einbeziehen.

Wohnen endet nicht an der Haustür

In den anschließenden Workshops wurde deutlich, dass zukunftsfähiges Wohnen mehr als die eigene Wohnung umfasst. Nahversorgung, medizinische und soziale Angebote, erreichbare Unterstützung sowie Mobilität und ÖPNV sind ebenfalls entscheidend, damit Menschen möglichst lange selbstständig in ihrer vertrauten Umgebung leben können.

Darüber hinaus sollte zukunftsfähiges und barrierefreies Wohnen bereits frühzeitig aufgegriffen werden. Junge Menschen können so für unterschiedliche Wohnbedürfnisse sensibilisiert werden, eigene Ideen für die Wohnformen der Zukunft entwickeln und das Thema zugleich in ihre Familien tragen.

Der Fachtag zeigte: Zukunftsfähiges Wohnen ist eine gemeinsame Aufgabe. Je früher Bürgerinnen und Bürger, Planung, Handwerk, Kommunen und weitere Akteure die Weichen stellen, desto besser lassen sich Barrierefreiheit, Bezahlbarkeit, Flexibilität und Selbstbestimmung miteinander verbinden.

Weitere Informationen sind unter www.emsland.de/wohnberatung sowie im Seniorenstützpunkt Landkreis Emsland unter der Telefonnummer 05931744-1267 und per E-Mail an seniorenstuetzpunkt@emsland.de erhältlich.

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