Polnische Generalkonsulin besucht Stadt Haren (Ems)

Haren (pm). Es ist ein besonderes Zeichen, dass die polnische Generalkonsulin Aleksandra Krystek-Biernacka für ihren Antrittsbesuch im Emsland am Samstag, den 25. April, die Stadt Haren (Ems) ausgewählt hat. Denn die Schifferstadt verbindet eine historisch-einmalige Beziehung mit dem europäischen Nachbarland. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges war die Stadt im mittleren Emsland für drei Jahre von Polen bewohnt und trug den Namen Maczków. Seit einigen Jahren hat die Stadt Haren (Ems) es sich daher zur Aufgabe gemacht, die Erinnerungen an diese Zeit zu erhalten. Dafür wurde eigens eine Ausstellung, das Dokumentations- und Begegnungszentrum Haren / Maczków, in der Inselmühle - Haus der Harener Geschichte zusammengestellt. Diese zu besichtigen stand ebenfalls auf dem Programm der polnischen Generalkonsulin.
Fabian Brand
Für die Eröffnung des Erinnerungsortes waren neben der polnischen Generalkonsulin Aleksandra Krystek-Biernacka auch General Roman Lytkowski, stellv. Kommandant der 11. Lubuska Panzerkavalleriedivision aus Zagan mit einer 11-Personen-Delegation, Frau Magdalena Erdmann, Leiterin der Abteilung für Gedenkstätten im Ausland im Ministerium für Kultur und Nationales Erbe sowie weitere Gäste vor Ort. (Foto: Stadt Haren (Ems))

Außerdem eröffnete die polnische Generalkonsulin auf dem städtischen Friedhof am Ostereschweg einen Erinnerungsort für die während der polnischen Besiedlung dort beerdigten Polen. „Schätzungsweise 145 Beerdigungen wurden während der Maczków-Zeit hier durchgeführt. Heute sind an dieser Stelle keine Menschen mehr begraben. Die hier beerdigten Polen sind im Jahr 1958 auf die Kriegsgräberstätte nach Groß-Fullen umgebettet worden“, erläutert Prof. Dr. Rüdiger Ritter, Leiter des Dokumentations- und Begegnungszentrums Haren / Maczków an der Inselmühle Haren, den Sachverhalt. Bürgermeister Markus Honnigfort fügt hinzu: „Es ist sehr wichtig, dass Angehörige einen würdevollen Ort zum Trauern und Erinnern erhalten. Die Maczków-Zeit gehört zur Stadtgeschichte und darf nicht in Vergessenheit geraten. Daher arbeiten wir weiter an der Aufarbeitung dieser bewegenden Zeit.“

Die Polnische Generalkonsulin Aleksandra Krystek-Biernacka eröffnet zusammen mit Bürgermeister Markus Honnigfort den Gedenkort für die polnischen Gräber auf dem städtischen Friedhof am Ostereschweg in Haren (Ems). (Foto: Stadt Haren (Ems))

Der Erinnerungsort ist so aufgebaut, dass zwei Bänke von einer bewachsenen Pergola eingerahmt werden. Ein Schild informiert über die eingeebneten polnischen Gräber.

Als Kontrastprogramm folgte dann am Sonntag, den 26. April, die Eröffnung des zweiten internationalen Fußballturniers in der Harener Ortschaft Tinnen. Deutsche und polnische Mannschaften treten hier im sportlichen Wettkampf gegeneinander an. Der Partnerschaftsbeauftragte des Landkreises Emsland, Zbigniew Leszczynski, fasst es so zusammen: „Das ist gelebte Integration, die der SV Polonia Haren und der DJK Tinnen hier betreiben. Beim Fußballspielen kommt es vor allem auf die dritte Halbzeit an, dann werden Freundschaften geschlossen, die weit über den Platz hinausgehen.“

Hintergrundinformationen:

Die Stadt Haren (Ems) war in der Zeit von 1945 bis 1948 polnisch besiedelt. Die einheimische Bevölkerung hatte ihren Heimatort während dieser drei Jahre komplett zu räumen und lebte notdürftig in Behelfsunterkünften im Umland. Die Stadt Haren wurde umbenannt in Maczków, zu Ehren des Kommandeurs der 1. Polnischen Panzerdivision, General Stanisław Maczek. Aufgrund der veränderten politischen und geografischen Lage nach Ende des Krieges konnten die polnischen Displaced Persons – ehemalige Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge sowie die Angehörigen der Polnischen Panzerdivision – nicht ohne Weiteres in ihre Heimat zurückkehren. Sie lebten als Übergangslösung vorerst in sogenannten Displaced Persons-Camps, von denen Haren/Maczków eines der größten in der Region darstellte. Etwa 5.000 Polen fanden hier eine vorübergehende Bleibe, wobei diese Zeit für sie die Chance auf einen Neuanfang nach den Schrecken des Krieges und der deutschen Besatzung bedeutete.

Die Ausstellung „Haren/Maczków 45/48“ zeigt das Leben der Polen und der evakuierten Harener während dieser Zeit. Zu sehen ist die Ausstellung in der Inselmühle, einer restaurierten ehemaligen Kornmühle, die ebenfalls zum damaligen Stadtgebiet Maczkóws gehörte. Die Inselmühle wurde ursprünglich um 1805 von Freiherr von Martels erbaut. Die Familie Martels war lange Zeit in der Funktion des Rentmeisters im Amt Meppen tätig. Auf sie geht auch der Bau des Schlosses Dankern zurück. Die Mühle, die ursprünglich ebenfalls in Dankern stehen sollte, wurde aufgrund der besseren Windverhältnisse schließlich in das Gebiet der „Insel“ gesetzt, welches sich im Besitz der Martels befand. In den Folgejahren wechselten die Besitzer mehrfach. Seit dem frühen 20. Jahrhundert wurde die Windmühle durch einen zusätzlichen Motor unterstützt. Das jetzige Gebäude geht zurück auf einen Neubau nach dem Zweiten Weltkrieg und erfuhr ab 2015 umfangreiche Restaurierungsmaßnahmen.

Ein gemeinsamer Besuch in der Inselmühle mit dem Bürgermeister, Stadtarchiv-Leiterin Dr. Vanessa Görtz-Meiners und Dr. Rüdiger Ritter, Leiter des Dokumentations- und Begegnungszentrum Haren/Macków, darf nicht fehlen. (Foto: Stadt Haren (Ems))

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