Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Haren weihen Geschichts- und Erinnerungstafeln ein

Haren (pm). Ein bedeutendes Projekt zur Neugestaltung der regionalen Erinnerungskultur wurde während eines Festaktes auf der Kriegsgräberstätte Wesuwe abgeschlossen. Die Einweihung neuer Geschichts- und Erinnerungstafeln stellt einen weiteren Meilenstein in der historisch-politischen Aufarbeitung der 15 nationalsozialistischen Emslandlager dar. Diese Initiative ist Teil einer im Jahr 2021 gestarteten Kooperation zwischen der Gedenkstätte Esterwegen und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (Bezirksverband Weser-Ems).
Fabian Brand
Die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Haren stellten ihre Arbeit vor. (Foto: Gedenkstätte Esterwegen)

Ziel dieser Zusammenarbeit war es, alle historischen Lagerfriedhöfe im Emsland und der Grafschaft Bentheim durch eine wissenschaftlich fundierte Beschilderung für die außerschulische Bildungsarbeit und die öffentliche Wahrnehmung zu erschließen. Die Besonderheit dieses Projektes lag in seinem partizipativen Charakter: eine Projektgruppe der 11. Jahrgangsstufe des Gymnasiums Haren erarbeitete über ein Schuljahr unter der fachdidaktischen Leitung von Katrin Kleesiek-Herding die Inhalte der Informationstafeln. Begleitet wurden die Lernenden dabei von der Historikerin Jacqueline Meurisch von der Gedenkstätte Esterwegen und der Bildungsreferentin des Volksbundes, Kristina Seibel, die durch gezielte Bildungsangebote die methodische Kompetenz der Schülerinnen und Schüler bei der Quellenrecherche unterstützten.

Der Fokus der wissenschaftlichen Auseinandersetzung lag auf dem NS-Zwangslager Wesuwe und dem 1941 angelegten Lagerfriedhof, wobei die Rekonstruktion individueller Verfolgtenbiografien ein zentrales Element darstellte. Während der feierlichen Enthüllung der Tafeln betonten Dunja Gerdes, Schulleiterin des Gymnasiums Haren, Katrin Kleesiek-Herding und die Schülerinnen und Schüler der Projektgruppe die Relevanz einer tiefgreifenden Auseinandersetzung mit der „Geschichte vor Ort“, um die regionale Gedenklandschaft nachhaltig zu bereichern und Historie am authentischen Ort erfahrbar zu machen. Landrat Marc-André Burgdorf unterstrich in seinem Grußwort die aus der historischen Erkenntnis resultierende Verantwortung der Gegenwart. Die historische Erschließung der Kriegsgräberstätte diene als „Mahnung, sich aktiv für den Schutz der Demokratie sowie der Grund- und Menschenrechte einzusetzen“, so Burgdorf. Auch der Harener Bürgermeister Markus Honnigfort reflektierte die gesellschaftliche Transformation im Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit. Er erinnerte an die schwierige Bearbeitung der Zeit Harens als polnisch verwaltetes „Maczków“ von 1945-1949 und an den langen Weg zur Entstehung des heutigen Dokumentationszentrums in der Harener Inselmühle.

Dr. Martin Koers, Co-Leiter der Gedenkstätte Esterwegen, würdigte das Engagement der Jugendlichen, denen es durch ihre Recherchen gelang, verstorbenen sowjetischen Kriegsgefangenen – unter ihnen Russen, Ukrainer, Belarussen – ihre Namen und damit ihre Würde zurückzugeben. „Dieser Beitrag ist für die familiengeschichtliche Forschung und Schicksalsklärung von unschätzbarem Wert, da er Angehörigen, die den Ort noch heute zum Gedenken aufsuchen, eine namentliche Identifikation der Verstorbenen ermöglicht.“ In diesem Kontext verwies Koers zudem auf das Online-Gedenkbuch-Projekt der Gedenkstätte Esterwegen, das nach einer aktuellen Überarbeitung und Erweiterung zeitnah wieder als digitale Ressource für die Forschung zu Häftlingen und Gefangenen der Emslandlager zur Verfügung stehen werde.

Alle an der Einweihung beteiligten Akteure versammelten sich vor den Informationstafeln. (Foto: Gedenkstätte Esterwegen)

Das Projekt, das maßgeblich durch die finanzielle und ideelle Unterstützung der Stadt Haren, des Ehemaligen- und Fördervereins des Gymnasiums sowie des Heimatvereins Wesuwe ermöglicht wurde, verdeutlicht eindrucksvoll die Synergie zwischen schulischer Bildung, wissenschaftlicher Begleitung und zivilgesellschaftlichem Engagement.

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