Ein Blick hinter die Bohne – Faire Stadtradeln-Tour durch Nordhorn für Kopf und Sinne

Nordhorn (pm). Jeder Deutsche trinkt im Durchschnitt rund 160 Liter Kaffee pro Jahr, also mehr als drei Tassen täglich. Woher der morgendliche Muntermacher kommt, gerät dabei oft in den Hintergrund.
Fabian Brand
Bildungsreferentin Ann-Katrin Hähnle vom Oikocredit Förderkreis Niedersachsen-Bremen e.V. (Mitte) erläuterte, wo und wie Kaffee produziert wird. Über eine Berücksichtigung in Ihrer Berichterstattung würden wir uns freuen. (Foto: Stadt Nordhorn)

Bei der interaktiven Stadtradeln-Tour „Cycle & Talk – dem fairen Kaffee auf der Spur“ tauchten kürzlich 15 Teilnehmende tiefer in die globale Welt des Kaffees ein. Gemeinsam mit Bildungsreferentin Ann-Katrin Hähnle vom Oikocredit Förderkreis Niedersachsen-Bremen e.V. erkundete die Gruppe Zusammenhänge rund um Anbau, Handel, Fairness und Wirkung.

Gleich zu Beginn der Tour mit fünf Stationen wurde deutlich: Kaffee ist eine anspruchsvolle Pflanze, die ausschließlich in Regionen rund um den Äquator gedeiht. Der meiste Kaffee in deutschen Tassen stammt aus Brasilien oder Vietnam, den beiden weltweit größten Kaffeeexporteuren. Zusammen liefern beide Länder mehr als die Hälfte der globalen Produktion.

Während der Tour zeigte sich, dass sich mit Kaffee zwar viel Geld verdienen lässt, allerdings kaum mit dem arbeitsintensiven Anbau. Die großen Gewinne erzielen meist Röstereien und Handelsunternehmen im globalen Norden, während viele Kaffeebäuer*innen trotz harter Arbeit nur selten ausreichend verdienen. Fairer Handel kann hier einen Unterschied machen: Durch stabile Mindestpreise und zusätzliche Prämien bleibt mehr Wertschöpfung im Herkunftsland und stärkt lokale Gemeinschaften. Dennoch ist der Anteil fair gehandelten Kaffees in Deutschland weiterhin gering: Nur etwa sechs Prozent des konsumierten Kaffees sind fair zertifiziert.

Unterwegs kamen die Teilnehmenden im Café Nordhörnchen und bei der Christuskirche in den Genuss einer Tasse fair gehandelten Kaffees. Letzterer wurde an der Kaffefietse der Christuskirche zubereitet. Zum Abschluss gab es bei St. Augustinus einen kleinen Imbiss und die Teilnehmenden erhielten praktische Impulse für ihren Alltag: bewusster konsumieren, Ungleichheiten im globalen Handel thematisieren und die eigene Geldanlage kritisch reflektieren.

Die internationale Genossenschaft Oikocredit arbeitet seit vielen Jahren mit über 450 Partnerorganisationen im globalen Süden zusammen. Darunter sind auch Akteurinnen im fairen Kaffeesektor wie die Kooperative Norandino in Peru. Oikocredit stellt ihnen unter anderem Betriebskapital in Form von Krediten zur Verfügung und bietet begleitende Schulungen sowie Beratung an. Diese Unterstützung gewinnt angesichts der Klimakrise zunehmend an Bedeutung. Das Kapital für diese Arbeit stammt von privaten und institutionellen Anlegerinnen, die mit ihrer Geldanlage soziale und ökologische Wirkung erzielen möchten.

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