Geschichte, Handwerk und Erinnerung: Schulen setzen Zeichen auf Meppener Friedhof

Meppen (pm). Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich seit Monaten mit den polnischen Gräbern auf dem Friedhof Markstiege in Meppen. In einem schulübergreifenden Projekt recherchieren sie die Lebensgeschichten polnischer Kriegsopfer und errichten zweisprachige Erinnerungstafeln – unterstützt von der BBS Meppen.
Fabian Brand
Am 25.04. wurden die Geschichts- und Erinnerungstafeln auf dem Friedhof Markstiege in Meppen eingeweiht. (Foto: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.)

Seit dem 1. September arbeiten Schülerinnen und Schüler des Seminarfachs „Den Toten einen Namen geben“ an einem Geschichts‑ und Erinnerungstafelprojekt zu den polnischen Gräbern auf dem Friedhof Markstiege in Meppen. Ziel des Projekts ist es, die oftmals anonym gebliebenen Schicksale polnischer Kriegsopfer während und nach dem Zweiten Weltkrieg sichtbar zu machen und dauerhaft im öffentlichen Raum zu verankern.

Das polnische Gräberfeld in Meppen besitzt eine besondere historische Bedeutung. Hier sind nicht nur zahlreiche polnische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter bestattet, sondern auch viele Soldaten der 1. Polnischen Panzerdivision, die im Frühjahr 1945 an der Befreiung des Emslandes beteiligt war. Einige der ursprünglich in Meppen gefallenen Soldaten wurden später auf die Kriegsgräberstätte Bohmte‑Meyerhöfen umgebettet.

Im Mittelpunkt der bisherigen Projektarbeit stand eine intensive Recherche zu den Hintergründen der polnischen Gräber. Bereits nach ersten Friedhofsbesuchen und Archivrecherchen wurde deutlich, dass es sich überwiegend um sehr junge Kriegstote handelt. Das jüngste bekannte Opfer, ein Mädchen namens Zochna Chechlinska, war lediglich sieben Tage alt. Die Schülerinnen und Schüler ermittelten systematisch Todesursachen und Todesorte. Viele der Betroffenen starben erst nach Kriegsende, meist an den Folgen von Inhaftierung, Zwangsarbeit und Deportation oder aufgrund der mangelhaften Hygiene- und Versorgungssituation in den Nachkriegsjahren. Da es in Meppen nach 1945 ein polnisches Krankenhaus gab, verstarben zahlreiche Menschen dort.

Neben der historischen Recherche spielte auch erfahrungsbasierte Erinnerungsarbeit eine wichtige Rolle. So besuchten die Schülerinnen und Schüler die Inselmühle in Haren, um sich ein Bild von der polnischen Nachkriegsenklave Maczków zu verschaffen.

Ein exemplarisches Schicksal, das auf den Erinnerungstafeln dargestellt wird, ist das von Katarzyna Deskur. Mit Unterstützung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge konnte ein Angehöriger der Familie ermittelt werden, der sich sehr dankbar über das Engagement der Schülerinnen und Schüler zeigte und in einem Interview über seine Großmutter berichtete.

Katarzyna Deskur wurde 1942 verhaftet, zunächst in ein Gefängnis nach Lublin gebracht und später in die Konzentrationslager Majdanek und Ravensbrück deportiert, wo sie unmenschlichen Bedingungen ausgesetzt war. Im April 1945 wurde sie durch das Schwedische Rote Kreuz befreit. Anschließend kam sie zu ihrem Ehemann, der als Soldat der 1. Polnischen Panzerdivision in Quakenbrück stationiert war. Aufgrund der erlittenen Misshandlungen war sie mehrfach im polnischen Krankenhaus in Meppen in Behandlung, wo sie schließlich verstarb.

Ein besonderes Merkmal des Projekts ist die enge schulübergreifende Zusammenarbeit. Schülerinnen und Schüler der BBS Meppen unterstützten das Vorhaben maßgeblich. Sechs Schüler der Berufseinstiegsklasse Metall/Holz (BEMH) fertigten die Tragekonstruktion für die Erinnerungstafeln in sorgfältiger Handarbeit an. Bohren, sägen, schweißen – innerhalb weniger Stunden entstand die grundlegende Konstruktion. Anschließend übernahmen Schüler der Berufsfachschule Bau (BauB1B) die Aufbauarbeiten auf dem Friedhof. Fundamente wurden ausgehoben, Beton angemischt und die Konstruktion exakt ausgerichtet. Diese Arbeiten erforderten besondere Sorgfalt, um einen dauerhaften und sicheren Stand zu gewährleisten.

Im Rahmen des Projekts entstehen zwei Informationstafeln, die bewusst zweisprachig (Deutsch und Polnisch) gestaltet sind, um sowohl der regionalen Öffentlichkeit als auch dem internationalen historischen Bezug gerecht zu werden.

Die Erinnerungstafeln sind ab dem 25. April neben dem polnischen Gräberfeld auf dem Friedhof Markstiege öffentlich zugänglich. Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie schulische Bildungsarbeit, handwerkliche Ausbildung und historisch‑politische Erinnerungsarbeit miteinander verbunden werden können – und wie junge Menschen Verantwortung für lokale Geschichte und europäisches Erinnern übernehmen.

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